Tag-Archiv für 'feminismus'

Gemeinsam und solidarisch feministisch kämpfen!

Wir freuen uns auch sehr, dass wir dieses Jahr über die Stadtgrenzen Göttingens hinaus feministische Bewegungen am 8. März zusammenbringen konnten. Aus Potsdam haben die women in exile einen Redebeitrag zu der Situation und den Forderungen von geflüchteten Frauen in Deutschland gehalten und aus Hannover gab es eine Perspektive zu der Verstrickung von Rassismus und Antifeminismus bei Pegida. Danke nochmal an dieser Stelle! Wir finden diesen Austausch sehr bereichernd und wichtig und wollen daher auch nochmal die Redebeiträge an dieser Stelle veröffentlichen, für alle die es nochmal nachlesen wollen, was sie gehört haben, die nicht dabei sein konnten, die nicht zuhören konnten, …:

Women in Exile
:

Der internationale Frauenkampftag hat viele Bedeutungen und Beweggründe – er ist ein Anlass um auf die Straße zu gehen, ein Anlass um zu Feiern, ein Grund um inne zu halten, vergangene Kämpfe anzuerkennen und sie weiterzuführen. Er ist Erinnerung und Inspiration. An diesem Tag werden überall auf der Welt hart erkämpfte Schritte für bessere Lebensbedingungen für Frauen überdacht, genauso wie der Prozess der noch notwendig ist.

Women in Exile möchte beim Feiern des Internationalen Frauenkampftags auch darüber sprechen, wie uns die Landesregierung Brandenburgs und die Bundesregierung Deutschlands behandeln. Am 07. März 2015 waren wir auf der Straße, um gemeinsam vom Hauptbahnhof zum neurenovierten Stadtschloss Postdams zu gehen, wo sich der Landtag Brandenburgs befindet. In den letzten Jahren haben wir sie immer und immer wieder zur Abschaffung aller Flüchtlingslager aufgefordert, oder zumindest dazu, Frauen und Kindern die Möglichkeit zu geben aus den Lagern auszuziehen. Trotzdem sehen wir, dass den lokalen Behörden Geld zur Verfügung gestellt wird, mit dem sie bereits existierende, isoliert liegende Lager ausbauen, und zu den bestehenden Lagern neue dazu kommen. Und durch eine Änderung des Baurechts ist nun auch das Bauen von Lagern in Gewerbegebieten und sogar in Form von Containern erlaubt!

Wie unsere Floßtour durch Deutschland letzten Sommer gezeigt hat, sind diese Missstände nicht nur in Brandenburg zu finden. Die Floßtour gab uns die Möglichkeit verschiedene Lager zwischen Nürnberg und Berlin zu besuchen. Dabei wurde uns klar, dass in den unterschiedlichen Bundesländern Lager und Heime in unterschiedlichen Varianten existieren. Einige von ihnen sind beispielsweise ehemalige Sporthallen oder Container. Für uns war es ein großer Schock während unserer Floßtour zu sehen, wie Sporthallen in Notunterkünfte für Flüchtlinge umfunktioniert werden. Menschen wurden dort unter dem Vorwand untergebracht, dass ihr Aufenthalt nur für kurze Zeit wäre. Stattdessen mussten sie dort monatelang bleiben. Die Sporthalle war zum Leidwesen der dort wohnenden Asylsuchenden überfüllt. Viel zu viele Menschen wurden auf viel zu wenig Raum untergebracht. Es gab keinerlei Privatsphäre für niemanden. Beispielsweise mussten Familien mit und ohne Kinder in je einem Doppelbett nebeneinander schlafen. Unter solchen Lebensbedingungen leben zu müssen, macht unsere Situation noch hoffnungsloser.



Ist die Bundesregierung Deutschlands wirklich so ratlos wie sie die prekäre Situation geflüchteter Menschen verbessern können? Oder ist es so, dass sie keinen politischen Willen haben die Lebensbedingungen von Flüchtlingen zu verbessern, da sie so schnell wie möglich abgeschoben werden sollen? Im Gegensatz zur rassistischen Politik der bundesdeutschen Regierung sind wir allen Willkommensinitiativen, anti-rassischtischen und feministischen Gruppen sowie Menschenrechtsorganisationen in unterschiedlichen Teilen des Landes dankbar dafür, dass sie Flüchtlinge und illegaisierte Personen in ihren Anliegen unterstützen, und gemeinsam mit uns versuchen das Leben unter den genannten prekären Umständen erträglicher zu machen.

Wir erneuern unseren Appell:„Keine Lager für Frauen! Alle Lager abschaffen!“, da wir keinerlei Veränderungen unserer Lebensbedingungen sehen: Immer noch liegt die Mindestquadratmeterzahl, die Asylsuchenden zugeteilt wird, bei 6qm pro Person. Immer noch werden wir oft mit der Unterbringung in abgelegenen Unterkünften ausgegrenzt und sind damit rassistischen Angriffen ausgeliefert.
Immer noch wird uns selten die Möglichkeiten gegeben, in privaten Wohnungen zu leben wie andere Menschen auch. Flüchtlinge, die dazu gezwungen werden in Flüchtlingsheimen zu wohnen leiden oft unter Depressionen, entweder aufgrund ihre unmenschlichen Lebensbedingungen in den Lagern, diskriminierenden Gesetztesgebungen wie zum Beispiel dem Arbeitsverbot oder aus Angst vor Abschiebung in vermeintlich „sichere“ Staaten oder nach der Dublin 3 Verordnung.



Als ob die eben genannten Lebensbedingungen nicht schon schlimm genug wären, müssen wir zudem körperliche Gewalterfahrungen in den Lagern aushalten. Wenn aus diesen Vorfällen überhaupt irgendeine Art von Konsequenzen gezogen werden sollten, wird der Agressor meistens einfach von einem Lager zu einem anderen übergeben. Das bedeutet, dass er für andere Frauen und Kinder eine andauernde Gefahr darstellt. Zusätzlich zu diesem Misstand müssen wir im alltäglichen Leben mit mangelnder Privatsphäre, mit unerträglichen hygienischen Zuständen der Gemeinschaftsräume und mit freiheitsberaubenden Regelungen der Lagerleitung kämpfen – die uns beispielsweise oftmals keine Besucher*innen erlauben, und wenn dies doch so sein sollte, uns dazu zwingen für unsere Gäste zu bezahlen. Wir müssen mit beständiger Angst leben und mit der Tatsache, dass unsere Leben von diskriminierenden Gesetzen und Regelungen bestimmt werden.



Wie lange noch soll Angst unsere Leben bestimmen? Schon bei der langen Reise nach Europa mussten wir uns vielen Gefahren und Risiken aussetzen. Angst begleitet jeden einzelnen versuchten Grenzübergang, und sie wird noch größer wenn wir dieses Ziel erreichen. Wir leben in ständiger Angst abgeschoben zu werden, in Sorge davor zum wiederholten Male innerhalb der EU von einem sogenannten „sicheren“ Staat zum nächsten abgeschoben zu werden, und mit der Furcht vor (noch) schlimmeren Lebensbedingungen in diesen uns unbekannten Ländern. In den Straßen von Europa haben wir jeden Tag mit der Angst vor körperlicher Gewalt oder rassistischen Übergriffen zu kämpfen. Jeden Tag müssen alle von uns mit all diesen Arten von Angst und Furcht leben.



Flüchlingsfrauen sind von diesen unmenschlichen Lebensumständen doppelt betroffen. Sie leiden am Meisten, da oftmals sie diejenigen sind, die unter diesen prekären Lebensbedingungen Verantwortlichkeiten für sich selbst und ihre Familie übernehmen. Sie tragen eine doppelte Last, denn sie kämpfen nicht nur als Flüchtlinge, sondern auch als Frauen. Deshalb erneuern wir unseren Appell: „Keine Lager für Frauen! Alle Lager abschaffen!“



Wir akzeptieren die Antwort der Bundesregierung auf unsere Forderungen nicht, dass „Dinge so sind wie sie sind“ da die juristischen Gesetze, die diese Aspekte regeln kompliziert seien und da wir eine Zunahme von Asylsuchenden hätten. Wir sehen, dass die bundesdeutsche Regierung alles in ihrer Macht stehende tut, um die Flüchtlinge die für den Staat wirtschaftlichen Nutzen haben, Zugang zu Deutschland zu verschaffen – während der Rest entweder direkt in ihr Heimatland, oder als Betroffene der Dublin-3-Verordnung in andere europäische Länder abgeschoben wird. Wir wissen, dass es günstiger ist in Wohnungen als in Lagern zu wohnen.

Lasst uns also beim Feiern des Internationalen Frauentags 2015 (und feiern sollten wir ihn!) bedenken, dass unsere Kämpfe noch lange nicht vorbei sind. Wir fordern:

– von der Bundesregierung: Beenden Sie ihre rückwärtsgewandte Abschreckungspolitik der 90er-Jahre, die das Ziel hat, Flüchtlinge von der Einreise nach Deutschland abzuhalten oder sie zum Zurückkehren zu zwingen!



- von den Landesregierungen: Erlassen Sie landesweite Regelungen, die die Landkreise und Bezirke anweisen, Flüchtlinge in Wohnungen unterzubringen – vor allem die Frauen und Kinder!



- von den lokalen Behörden: Integrieren Sie Flüchtlinge in Ihre Landkreise und Bezirke, indem Sie ihnen die Möglichkeit geben, in Wohnungen zu leben – wo immer sie wollen!

hier klicken zum nachhören: auf deutsch oder auf englisch

aus Hannover „Pegida – eine Antifeministische und Rassistische Bewegung“:

PEGIDA spaltet sich und tritt unter immer neuen Kürzeln auf. Wir alle verlieren inzwischen den Überblick. Ist die ‚Pegida‘-Bewegung deshalb jetzt nicht mehr ‚der Rede wert‘? Leider NEIN!
Es bleibt ja die Frage, wofür steht sie – oder wofür hat sie gestanden? Warum ist es ihr gelungen, so viele Menschen zu mobilisieren? ‚Rassistisch‘ sei sie, wird gesagt. Rassistisch? Gleich im ersten Punkt ihres Positionspapieres begrüßt sie die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen und politisch oder religiös Verfolgten. Diese Bewegung soll rassistisch sein? Ja doch, sie IST rassistisch:
- Weil sie zwischen ‚willkommenen‘ und nicht ‚willkommenen‘ Flüchtlingen unterscheidet.
- Weil einige ihrer Anhänger_innen Gräuelmärchen über die nicht ‚urddeutschen‘ Menschen verbreiten.
- Weil sie die Anwendung von Gesetzen verlangt, die eindeutig menschenfeindlich sind und die das Mittelmeer weiterhin zum ‚Toten Meer‘ machen.
Und – und … und …. Der Teufel steckt im Detail.

Und Pegida ist rassistisch und sexistisch zugleich. In Punkt 10 spricht sie sich FÜR den Widerstand gegen eine frauenfeindliche, gewaltbetonte politische Ideologie aus – aber nicht gegen hier lebende, sich integrierende Muslime! Hört sich gut an – oder?
Im Klartext heißt dies aber: der muslimische Mann, der ja der ‚gewaltbetonten Ideologie angehört‘, ist frauenfeindlich und gewalttätig und nur, wenn er sich so benimmt wie der deutsche weiße Mann, kann von Integration geredet werden. Gewalt gegen Frauen geht also von Muslimen aus? In einem Bericht von 2013 wird konstatiert, dass jede vierte Frau in ihrem Leben zumindest ein Mal von einem Lebenspartner körperliche und/oder sexuelle Gewalt erfährt und jährlich 45 000 Frauen in Deutschland mit ihren Kindern in ein Frauenhaus fliehen“. Sind alle diese Partner Muslime? Doch eher nicht!
Auf den Punkt gebraucht heißt also dieser weichgespülte Satz: Die deutsche Frau den deutschen Männern!

Was sagt nun Pegida zu der Forderung von Feministinnen, überall hör- und sichtbar zu sein, die Hälfte des gesellschaftlichen Kuchens zu bekommen?? Im Artikel 17 heißt es: „Pegida ist gegen dieses wahnwitzige ‚Gender Mainstreaming‘, auch oft ‚Genderisierung‘ genannt, die nahezu schon zwanghafte, politisch korrekte Geschlechtsneutralisierung unserer Sprache!” Also ‚wahnwitzig‘ und ‚zwanghaft‘. Mit dieser – wie mit anderen Äußerungen spiegelt Pegida durchaus ein Massengrummeln in der – nicht nur männlichen – Bevölkerung wider: Die Feministinnen nerven!
Aber: Wir Frauen sind die Hälfte der Gesellschaft, warum sollen wir nur ‚mit gemeint‘ sein? Wir fordern unseren selbstdefinierten Platz in der Gesellschaft! Und es geht um mehr als nur die Sprache! Es gibt ideologische Brücken zu anderen Bewegungen. Da ist das Feindbild der Bildungsreform In Baden-Württemberg, durch die die armen unschuldigen Kinderlein einer “Frühsexualisierung” unterzogen werden‚ da ist die Bewegung in Frankreich, die sich den Kampf gegen ‚Homo-Ideologie‘ auf die Fahnen geschrieben hat. Dagegen steht die Hochstilisierung der ‚heiligen Familie‘ mit Mann und Frau und Kindern auf ihren ‚naturgegebenen‘ Plätzen. Der ‚Genderismus‘ ist für Pegida eine Chiffre für eine fehlgeleitete, dem ‚Volkskörper‘ schadende Entwicklung, der mit dem Kampf gegen den ‚Genderwahn‘ begegnet werden soll.

Insgesamt wird eine in der Bevölkerung vorhandene Unzufriedenheit bedient und zu einer rechten Mobilisierungswelle missbraucht. Die tatsächlich vorhandenen Probleme werden missliebigen Gruppen in die Schuhe geschoben, die Ursachen für schlecht bezahlte Jobs, Überlastung und die realen Probleme werden auf die Schwächsten projiziert: das hatten wir schon!
Viele Menschen fühlen sich von ‚der Politik‘ nicht mehr repräsentiert, ihre Probleme nicht mehr ernst genommen. Viele Menschen können ihre Existenz kaum sichern, brauchen zwei oder drei Jobs zum Leben, sind aus der schönen Welt des Konsums weitgehend ausgeschlossen, sind aber umgeben von einem Klima des Kaufrauschs. Ein Rückgriff auf die ‚schöne heile Welt‘ als ‚Krisenlösungsmodell‘ bietet sich an. Statt Erwerbs- und Familienarbeit grundsätzlich umzustrukturieren, wird die Frau im Hause alles richten: den Kindern ist sie eine aufopferungsfähige Mutter und dem ausgepowerten Ehemann eine liebevolle Gattin! Und schon ist die schöne spätkapitalistische Welt wieder in Ordnung. Pegida spricht von ‚sozialer Kälte‘, die es zweifelsohne gibt, von der alten Frau, deren Rente nicht reicht, während man “Fremden” angeblich alles in den Hintern schiebt. Da sollen doch erst mal die ‚Deutschen‘ und vielleicht noch die ‚integrierten‘ ‚Fremden‘, die mit der ‚richtigen Identität‘ bedient werden!
Der Verteilungskampf zwischen (im völkischen Sinne) Deutschen und Nicht-Deutschen wird entsprechend inszeniert.

Aber was sollen wir in diesem Zusammenhang tun?
Statt über diese populistisch und reaktionär bis faschistoid missbrauchte Unzufriedenheit zu jammern, müssen wir Alternativen entwickeln. Wir müssen die Frage ‚Geschlechtergerechtigkeit‘ mit einer Kritik sowohl am Kapitalismus als auch am Patriarchat verbinden. Wir müssen aufzeigen, dass nicht die karrieregeile Aufsteigerin die Familien kaputtmacht, sondern der Arbeitsmarkt. Dass es nötig ist, die traditionellen hierarchisch- patriarchalen Arbeitsverhältnisse rund um die Familie und im Erwerbsleben zu verändern.
Und es muss betont werden, dass die ‚gendergerechte Sprache‘ ja überhaupt nicht ‚geschlechterneutral‘ ist, wie Pegida behauptet. Im Gegenteil: sie macht deutlich, dass es verschiedene Geschlechter und verschiedene sexuelle Orientierungen gibt – und entsprechende Verlierer_innen und Gewinner_innen. Gender Mainstreaming bedeutet, bei allen gesellschaftlichen und politischen Vorhaben zu berücksichtigen, dass der reale jeweils ‚weibliche‘ und ‚männliche‘ Lebenszusammenhang unterschiedliche Interessen, Privilegien – oder eben Diskriminierungen zur Folge hat.
Wir müssen ‚Rassismus‘ und ‚Sexismus‘ gleichzeitig bekämpfen und aufzeigen, dass patriarchale und kapitalistische Strukturen nach ‚Sündenböcken‘ suchen, wenn Krisen zu offensichtlich werden.

Wir lassen uns nicht gegeneinander ausspielen!

Wir positionieren uns gegen Fremden- und Frauenfeindlichkeit und wenden uns damit gegen Kapitalismus und Patriarchat!

Grenzenlos feministisch kämpfen!

Wir hatten einen wundervollen Frauen*kampftag mit euch! Und da vielleicht doch einige Redebeiträge in der Fülle der Inhalte und Aktionen untergegangen sind kommt jetzt nochmal unser Redebeitrag zum nachlesen:

1 in english

Wir sind heute anlässlich des Frauenkampftages hier um gegen Antifeminismus laut zu sein. Antifeministische Positionen sind weit verbreitet und bilden einen Anknüpfungspunkt für konservative bis extrem rechte Strömungen. Ein Beispiel von vielen sind Organisationen christlich fundamentalistischer Gruppierungen, die sich als AbtreibungsgegenerInnen oder als VerteidigerInnen der heterosexuellen Kleinfamilie mit homosexuellen- und frauenfeindlichen Forderungen Öffentlichkeit verschaffen. Die Verbindung von antifeministischen Positionen mit nationalistischen und rassistischen Vorstellungen wird besonders an den Pegida Protesten und deren Ablegern deutlich. Und auch die Parteiprogramme der AfD oder (neo-)faschistischer Parteien knüpfen nahtlos an antifeministische Argumentationen an, die sich mit einem rassistischen und nationalisitischen Weltbild verknüpfen.
Mit der Nennung von weiteren Beispielen oder Gruppierungen könnten wir sicherlich endlos fortfahren – doch darum soll es hier und heute nicht gehen. Wir wollen anhand von fast täglich hörbaren antifeministischen Standpunkten aufzeigen, dass Antifeminismus patriarchale sowie rassistische Herrschaft stützt und auf allen Ebenen bekämpft werden muss.
Zu den am weitesten verbreiteten Behauptungen gehört die Aussage: „Mensch, was wollt ihr Frauen denn noch, ihr seid doch schon gleichberechtigt“. In diesem Sinne werden Kampagnen ins Leben gerufen, die sich vehement gegen Gender Mainstreaming richten und vielmehr auf eine Stärkung von Männern abzielen, da heutzutage Männer benachteiligt gegenüber Frauen seien. Fakten wie die anhaltend niedrigere Bezahlung von Frauen gegenüber ihren männlichen Kollegen, die sich meist noch einmal für diejenigen verringert, die keinen deutschen Pass besitzen, werden komplett verschwiegen.
Wir haben genug von einer geschlechtsspezifischen und hierarchischen Arbeitsteilung, mit der eine unterschiedliche Bewertung von Arbeit einhergeht und stellen uns gegen die kapitalistischen Ausbeutungsverhältnisse, die ein selbstbestimmtes Leben verhindern!
AntifeministInnen warnen vor einem vermeintlichen „Genderismus“, der die angeblich naturgegebenen Unterschiede zwischen Männern und Frauen verneint. Denn AntifeministInnen wollen an starren, biologistisch begründeten Rollenzuschreibungen für auschließlich zwei Geschlechter, nämlich Mann und Frau, festhalten. Dies geht meist mit einer Abwertung von Weiblibchkeiten einher und hat die Aufrechterhaltung männlicher Privilegien zum Ziel.Männer werden so zu logisch denkenden und äußerst belastbaren Menschen gemacht während Frauen gut im sozialen Bereich und im Haushalt aufgehoben seien. Dass dieser Irrglaube der Realität von Trans* und Inter* genauso widerspricht wie kilostemmenden Pflegerinnen und sozialen Erziehern, wird auch hier einfach ignoriert.
Wir stellen das Konzept der angeblich naturgegebenen Zweigeschlechtlichkeit radikal in Frage und lehnen ein System ab, das uns mit seinen Denkweisen und Normen einschränken und reglementieren soll!
AntifeministInnen machen im Bereich sexualisierter Gewalt Täter zu Opfern. So verbreiten sie die Lüge, eine Frau habe die Macht, willkürlich Männer der sexualisierten Gewalt zu beschuldigen und damit deren Leben zu ruinieren. Dass jede vierte Frau in Deutschland in ihrem Leben Beziehungsgewalt erfährt oder noch konkreter ca. 10 Mio. Frauen* bleibt dabei unberücksichtigt. Deshalb machen wir es an dieser Stelle noch einmal deutlich: Sexualisierte Gewalt ist ein Verbrechen und Tätern darf kein Raum gegeben werden!
Unter dem Deckmantel der Redefreiheit werden sexistische, rassistische und nationalistische Äußerungen und Weltbilder reproduziert.
In diesem Sinne wird mit „das wird man ja wohl nochmal sagen dürfen“ eine angeblich von FeministInnen und MigrantInnen bedrohte Mehrheitsgesellschaft stabilisiert.
Sie inszenieren sich als selbsternannte TabubrecherInnen und sprechen von der „Gender-Ideologie“ als „neuer Weltanschauung“ oder von der „Islamisierung“ als „Bedrohung für Europa“, die die Normen und Werte unserer Gesellschaft zerstören würden. Zum Schutze vor einem angeblichen Werteverfall berufen sie sich auf die weiße, heterosexuelle und patriarchal organisierte Kleinfamilie. Denn nur sie könne die guten deutschen Werte und Tugenden erhalten.
Aber: Eine Redefreiheit, die zu rassistischer und sexistischer Unterdrückung zum Erhalt der eigenen Vorteile aufhetzt, ist kein Tabubruch, sondern Gewalt!
Diesem Bullshit setzen wir einen solidarischen, emanzipatorischen Feminismus entgegen!
In der Tradition des Frauenkampftages wollen wir feministische Kämpfe zusammenführen . Für uns bedeutet Feminismus nicht bei Frauenquoten Halt zu machen. Es geht um einen gesamtgesellschaftlichen Ansatz, der verschiedene unterdrückende Herrschaftsverhältnisse mitdenkt und diese angreift. Patriarchale Strukturen sind mit kapitalistischen Ausbeutungsverhältnissen genauso verwoben wie mit rassistischen und nationalisitschen. Feminismus muss mehr sein als ein Lippenbekenntnis. Theorien in eine Praxis umzusetzen und das eigene Handeln zu reflektieren sind für uns in allen Lebensbereichen grundlegender Bestandteil einer feministischen Haltung. Für den Umgang mit antifeministischen Positionen a la Pegida oder AfD könnte das heißen sich nicht damit abspeisen zu lassen, dass wir angeblich schon längst alle gleichberechtigt seien. Sich nicht von irgendjemanden sagen zu lassen, was natürlich weiblich und natürlich männlich ist. Den Mund aufzumachen gegen sexualisierte Gewalt. Oder den angeblichen Tabubruch konsequent zu kritisieren.
Wir reihen uns ein in einen langen Kampf feministischer Bewegungen und Initiativen für ein selbsbestimmtes und besseres Leben frei von starren Geschlechternormen, (Hetero-)Sexismus, sexistischer und rassistischer Gewalt sowie nationalistischen Grenzpolitiken. Solidarisch, kritisch und offensiv wollen wir unterschiedliche feminitische Perpektiven zusammendenken und gemeinsam gegen die bestehenden Herrschaftsverhätnisse kämpfen!
Tretet ein für ein selbstbestimmtes Leben aller Menschen frei von Diskriminierung und Gewalt, schließt euch zusammen, um euch gegen das alltäglich Unerträgliche zur Wehr zu setzen!
Lasst uns gemeinsam für einen grenzenlosen Feminismus auf die Straße gehen! Jeden Tag ein 8.März!

  1. At this Day, the international women’s day. We send our solidarity to the struggles of women in exile, their friends and all the other feminists out there. Today we are demonstrating against antifeminism, rascism, homo- and trans*phobia.
    Antifeminist positions are widely spread in our society. They are the common ground of different movements, from conservative to extreme right. One example among many are Organisations of fundamentalist Christians, who turn against abortion and express homophobic and sexist attitudes. Movements like pegida or parties like the AfD use antifeminist statements are closely linked to racist and nationalistic positions.
    Antifeminism supports patriarchal and racist doininance. We want to show that with some examples we hear on a daily basis:
    A very common statement is: „What else do you want?! Women are already completely liberated and emancipated today!“ So they just ignore facts like the pay gap between women and men which becomes even worse if the woman doesn‘t have an european passport. We are fed up with the gender-specific and hierarchic division of labour and oppose the capitalist exploitation that prevents us from living self-determined lives!
    Antifeminists rely on rigid, biologistically constructed perceptions of gender for exclusively two genders; male and female. Usually this comes along with a devaluation of femininities while maintaining male privileges. This contradicts the reality of Trans* and Inter* and everybody who doesn‘t fit into this scheme.
    We challenge the concept of an allegedly inherent gender dualism and we refuse a system that restricts us with its norms!
    Concerning sexualised violence, Antifeminists victimise perpetrators. They spread the lie that a women has the power to arbitrarily accuse men of sexualised violence just to ruin that poor mans life. Fact is that every fourth woman in germany experiences domestic violence.
    Sexualized violence is a crime! No space for perpetrators!
    Under the guise of free speech Antifeminists reproduce sexist, racist and nationalistic attitudes. They claim to speak the truth where no one else dares because of social taboos. According to them the German society is threatened by feminists and their ‚gender-ideology‘, by migrants in general and islamisation in particular. To prevent a so-called degeneration of values they rely on the white, straight nuclear family that is structured by patriarchy to preserve old german traditions and values.
    But freedom of speech that is used to maintain racist and sexist oppression is not breaking a taboo – it is violence.
    We fight against all the bullshit mentioned above with emancipatory feminism and solidarity!
    For us feminism doesn‘t stop at a women’s quota. It is about a broad social critisism that defies patriarchal, capitalistic, racist and nationalistic discrimination and exploitation. Therefore it’s important to transfer theories into practice and to reflect our own actions in all aspect of life.
    We join the continuing fight of different feminist movements and organisations for a self-determined and better life; a life without rigid gender norms, withouthomophobia, sexist and racist violence as well as nationalistic border regimes.
    Let’s fight for feminism together! Everyday an International Women’s Day!

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Jeden Tag ein 8. März!

Grenzenlos feministisch kämpfen – kein Platz für Antifeminismus, Rassismus, Homo- und Transphobie!
Auch dieses Jahr gibt es in Göttingen ein Bündnis, dass aufruft für Feminismus auf die Straße zu gehen:
Feminist fighting beyond boundaries – against antifeminism, racism, homophobia and trans*phobia!

Antifeministische Positionen erfahren in letzter Zeit Aufwind und sind weit verbreitet. Fundamentalistische ChristInnen, Männerrechtler, organisierte Neonazis, RechtspopulistInnen und nicht zuletzt die ‚WutbürgerInnen‘ aus der sogenannten Mitte der Gesellschaft inszenieren sich als VerteidigerInnen traditioneller Familien- und Geschlechterbilder. Sie verbreiten dabei unter großem Medieninteresse altbekannte patriarchale Normen, indem sie sich auf das Bild eines weißen, deutschen ‚Normalbürgers‘ aus der Mittelschicht beziehen. Sie treten für eine angeblich ‚natürliche‘ Geschlechterordnung ein, die sich ausschließlich an heterosexuellen Lebensweisen orientiert.
Diese Ordnung sehen AntifeministInnen von feministischen Forderungen wie der Gleichberechtigung aller Geschlechter bedroht und werten diese pauschal als ‚Genderismus‘ ab. Mit der Argumentation, heute sei ‚doch schon alles erreicht‘, wird der Kampf für Gleichberechtigung als ‚Gender-Wahn‘ gelangweilter Frauen* abgetan und Gewalt gegen FrauenLesben und Trans*-Menschen verharmlost. Solchen antifeministischen Positionen gilt unsere Kampfansage.

Antifeminist positions are on the rise and are already widespread. Fundamentalist Christians, organized neo-Nazis, right-wing populists and, not least among them, ‘angry citizens’ (‘Wutbürger’) from the so-called center of society all feel called upon to defend traditional images of gender and family values. Viewed with great interest by the media, they spread notoriously patriarchal norms by referring to the image of a white German middle-class ‘normal’ citizen. They advocate a supposedly natural gender order framed by an exclusively heterosexual way of living.
Antifeminists consider this order to be threatened by feminist claims to equality for all genders. Antifeminists therefore depreciate the claims as all being ‘genderism’. Arguing that ‘nowadays all that has already been achieved’, they dismiss the struggle for equality as ‘gender hysteria of bored women’ and trivialize violence against women, lesbians and trans*people. We are calling to fight against such antifeminist positions!

Gegen rassistische Grenzziehungen
Antifeministische Positionen richten sich nicht nur gegen vielfältige Lebensweisen, sondern verbinden sich auch mit dem rassistischen Weltbild von extremen Rechten, Konservativen und ‚WutbürgerInnen‘. Ein Beispiel hierfür ist die Pegida-Bewegung. Seit ihrem Entstehen als Sprachrohr für unterschiedliche rassistische Vorurteile haben sich Übergriffe auf Migrant*innen und Flüchtlinge in Deutschland mehr als verdoppelt. Pegidas rassistische Angstmache vor einer angeblichen ‚Islamisierung‘ der Gesellschaft nutzt auch vermeintlich feministische Positionen, um rassistische Grenzen zu ziehen:
Das angebliche Eintreten für Frauenrechte dient der Abwertung ‚nicht-westlicher Kultur‘ als gewaltvoll und rückständig und damit der eigenen Aufwertung. In dieser Denkweise werden antifeministische und rassistische Positionen zu dem Ziel miteinander verbunden, weiß-deutsche, männliche und heterosexuelle Privilegien aufrecht zu erhalten.

Against constructing racist boundaries
Antifeminist positions not only oppose diverse ways of living, but also correspond to the racist attitude of the extreme right, conservatives and ‘angry citizens’. This can be seen at the example of the Pegida movement. Since it started voicing all kinds of racist prejudices, the number of attacks against refugees and migrants in Germany has doubled. Pegida’s racist agitating against the ‘islamization’ of society also uses supposedly feminist positions to draw racist boundaries: In the name of defending women’s rights, ‚non-Western cultures’ are devalued as violent and backwards which at the same time serves to enhance their own status. In this argument antifeminist and racist positions are united in order to keep up white German male heterosexual privilege.

Gegen starre Grenzen zwischen Männlichkeiten und Weiblichkeiten
Antifeministische Strömungen haben die Vorstellung gemeinsam, dass es nur zwei Geschlechter gibt. Diese hätten grundsätzlich so verschiedene Eigenschaften, Fähigkeiten und Persönlichkeiten, dass zum Beispiel die ungleiche Arbeitsteilung und Bezahlung von Frauen und Männern ‚natürlich‘ und unveränderbar sei.
Diese Vorstellung ist patriarchal, weil sie männliche Privilegien aufrecht erhält und Weiblichkeiten abwertet. Außerdem ist sie Grundlage dafür, dass die weiß-deutsche Vater-Mutter-Kind-Familie rechtlich und gesellschaftlich bevorzugt wird. Indem von einem ‚natürlichen‘ Begehren von Männern gegenüber Frauen (und umgekehrt) ausgegangen wird, werden alle nicht-heterosexuellen Lebensweisen abgewertet. Diese Abwertung zeigt sich u.a. in der Hetze gegen sexuelle Vielfalt in Schullehrplänen. An dieser beteiligen sich teilweise dieselben Menschen, die sich auch bei Pegida, bei Kundgebungen gegen Abtreibungsrechte und/oder in der rechten Partei Alternative für Deutschland (AfD) engagieren.

Against rigid boundaries between masculinity and femininity
Antifeminist currents share the idea that there are only two genders. Men and women are considered to be so essentially different in characteristics and abilities that inequalities in the division of labour and wages appear as something ‘natural’ and unchangeable.
This idea is patriarchal because it promotes male supremacy and devalues femininity. It is also at the core of the social and legal privileging of white German nuclear families with father, mother and child(ren). By assuming a ‘natural’ desire between men and women, non-heterosexual ways of living are delegitimized. This devaluation is illustrated, for example, in the hate campaign against sexual diversity as part of school curricula. Many of the people participating in this campaign are the same as those joining Pegida, marching against abortions and/or working for the Alternative Party for Germany (AfD).

Feministisch kämpfen, Grenzen einreißen – am Internationalen Frauenkampftag und auch sonst!
Der Internationale Frauenkampftag geht auf Streiks von Textilarbeiterinnen am 8. März 1908 in St. Petersburg und New York zurück, die für menschenwürdige Arbeits- und Lebensbedingungen und gegen Ausbeutung gekämpft haben. Seit 1921 steht der 8. März u.a. für den Kampf gegen Krieg, für Frauenwahlrecht, für gleichen Lohn bei gleicher Arbeitsleistung, gegen sexualisierte Gewalt und für Selbstbestimmung.
In dieser Tradition kämpfen wir für eine Gesellschaft jenseits von starren Geschlechtergrenzen und Hetero-Zwang, sexistischer und rassistischer Gewalt sowie nationalistischen Grenzpolitiken. Wir kämpfen für eine solidarische Gesellschaft, in der Menschen im Mittelpunkt stehen und nicht nur ihr wirtschaftlicher Nutzen.

Feminist fighting beyond boundaries! On International Women’s Day and always!
The International Women’s Day goes back to strikes of textile workers on March 8th 1908 in St.Petersburg and New York. These were fights for humane working and living conditions and against exploitation. Ever since 1921, the 8th of March represents the struggle against war, for women’s vote, for equal pay for the same work, against sexual violence and for a self-determined life.
As part of this tradition we fight for a society beyond rigid gender boundaries and compulsory heterosexuality, against sexist and racist violence and against nationalist border policies. We fight for a society of solidarity, which is built for the people and not on their economic use.


    – am Samstag, 7. März, ab 14h, Gänseliesel Gö. –
    Gib Antifeminismus keinen Raum – am 7. März auf der Straße und auch sonst immer und überall!
    Jeder Tag ein 8. März!


    – Saturday, March 7th, starting 2 p.m., Gänseliesel Göttingen –
    No to antifeminsm – out on the streets on March 7th and everywhere else always!
    Every day is 8th of March!

8. März-Bündnis Göttingen 2015

Aber nicht nur in Göttingen wird am 7. März für Feminismus und gegen Rassismus, Homo- und Transphobie… gekämpft:

in Hannover ruft ein breites Frauenbündnis zum 7. März unter dem Motto „KEIN MENSCH IST ILLEGAL – Solidarität mit geflüchteten und in ihrer Existenz bedrohten Frauen“ zum internationalen Frauentag auf. Des weiteren gibt es eine Vielzahl von Veranstaltungen rund um den 8. März, nachzulesen in der Zeitung vom Bündnis.

in Potsdam rufen Women in Exile am 7. März zu einer Demo und Protestaktion „Keine Lager für Frauen! Alle Lager abschaffen!“ auf: (in other languages here)

„Keine Lager für Frauen! Alle Lager abschaffen!“
Samstag, 7. März 2015, 14°° Potsdam Hbf
Demo und Protestaktion vor dem Landtagsgebäude

Beim Feiern des Internationalen Frauentags 2015 wollen wir genau hinsehen, wie die Landesregierung Brandenburgs und die Bundesregierung Deutschland uns behandelt: In den letzten Jahren haben wir sie immer wieder aufgefordert, zumindest Frauen und Kindern die Möglichkeit zu geben, aus den Lagern auszuziehen. Trotzdem sehen wir, dass den lokalen Behörden Geld zur Verfügung gestellt wird, mit dem sie bereits existierende isoliert liegende Lager ausbauen, und zu den bereits bestehenden Lagern neue dazu kommen.
Wir sehen keine Veränderung unserer Situation: Immer noch liegt die Mindestquadratmeterzahl, die Asylsuchenden zugeteilt wird, bei 6qm pro Person. Immer noch werden wir oft mit der Unterbringung in abgelegenen Unterkünften ausgegrenzt und sind damit rassistischen Angriffen ausgeliefert. Immer noch wird uns selten die Möglichkeiten gegeben, in privaten Wohnungen zu leben wie andere Menschen auch. Und mit einer Änderung des Baurechts ist nun auch das Bauen von Lagern in Gewerbegebieten erlaubt.
Flüchtlingsfrauen leiden darunter am meisten. Denn normalerweise sind die Frauen diejenigen, die sich verantwortlich fühlen, unter solchen menschenunwürdigen Lebensbedingungen den Alltag für die ganze Familie zu organisieren.

Deshalb erneuern wir unseren Appell: „Keine Lager für Frauen! Alle Lager abschaffen!“

Wir fordern von der Bundesregierung:

    Beenden Sie ihre rückwärtsgewandte Abschreckungspolitik der 90er-Jahre, die das Ziel hat, Flüchtlinge von der Einreise nach Deutschland abzuhalten oder sie zum Zurückkehren zu zwingen!

Wir fordern von den Landesregierungen:

    Erlassen Sie landesweite Regelungen, die die Landkreise und Bezirke anweisen, Flüchtlinge in Wohnungen unterzubringen – vor allem die Frauen und Kinder!

Wir fordern von den lokalen Behörden:

    Integrieren Sie Flüchtlinge in Ihre Landkreise und Bezirke, indem Sie ihnen die Möglichkeit geben, in Wohnungen – wo immer sie wollen – zu leben!

An alle Flüchtlingsfrauen: Lasst uns gemeinsam ein menschenwürdiges Leben für alle einfordern!

An alle Frauenorganisationen, feministischen Organisationen,an alle antirassistischen und Menschenrechtsorganisationen: Unterstützt uns und unsere Forderungen! Kommt zahlreich und gemeinsam mit Asylsuchenden aus euer Nachbarschaft!

Weitere Aktionstage, Demonstrationen in eurer Umgebung gibt es sicherlich. Informiert euch, zeigt euch solidarisch, kämpferisch, seit laut und geht auf die Straße:
Jeden Tag ein 8. Märzt, jeden Tag ein Frauenkampftag!

bigger than…!

Ein Festival bigger than Hip-Hop: Hip-Hop ist mehr als nur eine Musikrichtung, sie ist „auch Selbstermächtigung und Emanzipation aus erlebten Unterdrückungsverhälnissen“, in diesem Sinne will das Festival „ein feministischer Battleground mit Spaß am Hip-Hop und ein Dancefloor mit Spaß am Feminismus“ sein. Das feministisches Hip-Hop Festival in Hannover sagt Hallo:

Old school oder new school,
East Coast oder Kinshasa,
West Coast oder Nordstadt,
Wedding oder Witten
Mädchen, Frauen, Tomboys,
Lesben, Ladies, Sweethearts,
Bitches und Butches,
Nonmales, Females, Your Own Males,
Trans, Drags und Dancehallqueens:
Wir holen sie, uns, euch auf die Bühne.
Wir wollen drei Tage und Nächte
mit Konzerten und Konversation,
Performances und Parties.
Wir wollen Platz für Lautes und Leises,
zum Zuschauen und Zuhören,
zum Diskutieren und selbst Probieren.
Wir wollen fette Probs und dicke Suppen,
Solidarität, Support und Schokoeis,
dancen und die Djs* feiern,
uns im Workshop selbst die Platten aus dem Ärmel leiern,
headspins bewundern und sixstep lernen,
uns für Texte begeistern und selbst welche schreiben.
Wir wollen fette Beats und coole Moves,
bahnbrechende Raps und feministische Power,
Tanzen und Tiefgang,
Freestyle und Battles,
politische Texte und smoothe Rhymes.
Du auch?

Komm zum Bigger than… Festival nach Hannover City!
11. bis 14. September 2014.
Wir freun uns.

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Immer wieder schön: Diskussionen zu Militanz und Feminismus

In der GöDru Nr. 720 zum 1. März 2013 gab es einen Beitrag zu Militanz und Feminismus, an den wir mit unseren Überlegungen anknüpfen wollen.11 Anlass für den Artikel bot eine Situation auf der 8. März-Demo 2012, bei der Demoteilnehmer*innen den schwarzen Block als mackrig kritisiert haben. Anhand dieser Situation wird von den Autor*innen des Artikels darauf geschlossen, dass Militanz seitens Göttinger Feminist*innen generell abgelehnt werde. Dies wird mit einem „queeren Habitus“ der feministischen Szene in Göttingen in Verbindung gebracht. Im weiteren Verlauf wird darauf hingearbeitet, Militanz als emanzipatorischen Akt für Frauen* zu vermitteln, wobei auf die Gefahr hingewiesen wird, Militanz auf einen Habitus oder bestimmte Style-Codes zu reduzieren. Ebenso wird der Zusammenhang von Militanz und Männlichkeit diskutiert. Letztlich kommen die Autor*innen des Artikels zu dem Schluss, dass eine Aneignung von Militanz durch Frauen* als Befreiungsakt und Kampfansage an sexualisierte Gewalt politisch notwendig sei.
Wir wollen im Folgenden einige Aspekte herausgreifen und aus unserer queerfeministischen Perspektive kommentieren. Teilweise zitieren wir dabei Stellen aus dem Text der A.L.I., um nachvollziehbar zu machen, worauf wir unsere Überlegungen stützen. Diese werden wir mit dem Anlass des Artikels und dessen Wahrnehmung und den daraus resultierenden Schlussfolgerungen über eine Göttinger feministische Szene beginnen. Es folgen Überlegungen zum Militanzbegriff sowie Fragen nach Zusammenhang und Bedeutung von politischer Haltung und einem bestimmten (militanten) Auftreten. Wir verfolgen außerdem die Diskussion, inwieweit Militanz als emanzipatorischer Akt für Frauen* gewertet werden kann und wie eine (queer)feministische Aneignung aussehen könnte oder eben nicht. Am Ende wollen wir einen kurzen Ausblick geben, was wir für eine Diskussion über Militanz und Feminismus hilfreich und notwendig finden.

queer- vs. differenzfeminismus & macker-militanz
Anhand der genannten Situation auf der 8. März-Demo 2012 wird von den Autor*innen eine Verallgemeinerung und Bewertung ‚der‘ feministischen Szene in Göttingen vorgenommen. Ihr wird sowohl eine Fokussierung auf einen „queeren Habitus“ in der Praxis als auch eine differenzfeministische Haltung unterstellt, die Militanz mit Mackertum/Männlichkeit gleichsetze. Differenzfeministisch werde Militanz daher pauschal abgelehnt, wobei denjenigen Frauen* eine feministische Position abgesprochen werde, die militant auftreten.1
Uns irritiert, wie aus einer Situation, an der nur eine handvoll Leute beteiligt waren, eine feministische Szene gebaut wird, der zugleich eine bestimmte Haltung unterstellt wird. Und uns stellt sich die Frage, wozu eine solche Argumentation dient. Darauf kommen wir später nochmal zurück.
Dieser Szene zugleich einen queeren Habitus zu attestieren und eine differenzfeministische Haltung zuzuschreiben, macht ohne weitere Differenzierung keinen Sinn. Die beiden Aspekte queer (z.B. Kritik an Zweigeschlechtlichkeit und Heterosexismus) und Differenzfeminismus (z.B. Kampf für Frauenräume) lassen sich in der queerfeministischen politischen Praxis miteinander verbinden (z.B. Kampf für FrauenLesbenTransInter*-Räume). Gleichzeitig können die theoretischen Grundlagen und die Praxis im Widerspruch stehen.
Unklar ist uns, was die Autor*innen unter dem „queeren Habitus“ eigentlich verstehen; noch unklarer ist uns, inwiefern dieser für eine generelle Ablehnung von Militanz (mit)verantwortlich sein soll. Das finden wir umso problematischer, weil queer für uns ein politischer Begriff ist und wir selbst davon genervt sind, dass er häufig kontextlos in den Raum geschmissen wird, irgendwie auf einen (unpolitschen) Lebensstil reduziert oder abgewertet wird.
Worauf wir aber eingehen können, ist die Unterstellung des Differenzfeminismus, der laut A.L.I. die Grundlage von Kritik an Mackertum in der Linken darstellt. Mit einer solchen Kritik werden aber aus unserer Perspektive nicht ‚biologische‘ Männer oder vermeintlich wesenhafte, unveränderliche männliche Eigenschaften abgelehnt (also klassisch differenzfeministisch). Die Kritik richtet sich gegen patriarchale Dynamiken, Strategien, Verhaltensweisen, die uns in linken Räumen zu schaffen machen.
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