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Siempre Antifascista 5. – 8. Oktober 2016

Es ist wieder soweit! Das Siempre Antifascista Kollektiv hat auch in diesem Jahr wieder sehr spannende workshops, Diskussionen, Konzerte und vieles mehr auf die Beine gestellt. Das ganze Programm gibt es hier!

Offener Brief an OB Köhler zu unzumutbaren Bedingungen im Lager Siekhöhe

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Köhler,

schon mehrmals versuchten verschiedene Initiativen, die unzumutbaren Unterbringungsverhältnisse der Flüchtlinge im Lager Siekhöhe bekanntzumachen, um auf eine Verbesserung der Situation hinzuwirken. Leider beschreiben sowohl Sie als auch der Betreiber, das Deutsches Rote Kreuz, die Situation in der Unterkunft als „gut“. Weil wir die aus unserer Sicht menschenunwürdige Unterbringungssituation in der Siekhöhe nicht länger hinnehmen und die Lebensbedingungen der Geflüchteten verbessern wollen, schreiben wir – Bürger*innen, freiwillige Helfer*innen und Aktivist*innen – diesen Brief.

In der ehemaligen Industriehalle im abgelegenen Gewerbegebiet Siekhöhe in Göttingen sind momentan ca. 130 Geflüchtete untergebracht, insgesamt sollen sogar bis zu 400 Menschen dort Platz finden. Da das Gebäude nicht über Fenster verfügt, werden die Wohnboxen von 6 bis 22 Uhr mit Kunstlicht geflutet. Die Wohnparzellen, in denen bis zu 14 Personen zusammen leben, sind nach oben offen und bieten keinen Rückzugsort vor der Geräuschkulisse oder der Dauerbeleuchtung. Das Essen wird von einer Cateringfirma zubereitet, weshalb die Bewohner*innen dort nicht selber kochen dürfen. Das gemeinsame Kochen ist für viele Geflüchtete jedoch ein wichtiger Bestandteil ihres Alltags. Die Kosten für das Catering werden vom Geld für den Lebensunterhalt abgezogen, sodass die dortigen Bewohner*innen deutlich weniger Geld zur Verfügung haben.

Seit Inbetriebnahme des Lagers Siekhöhe halten ehrenamtliche Unterstützer*innen und Aktivist*innen Kontakt zu dort untergebrachten Geflüchteten. Diese berichten immer wieder, dass die nach oben offenen Räume, die Lautstärke in der Lagerhalle und das Zentrallicht auf Dauer psychisch schwer belastend und für einige Menschen unerträglich sind. Dies äußert sich darin, dass einige Menschen sehr träge werden, andere unruhig und laut. Eigentlich sind alle nervös. Es ist zu erwarten, dass sich die Situation in der anstehenden dunkleren und kühleren Jahreszeit weiter verschlechtern wird, da die Ausweichmöglichkeiten ins Freie dann kaum mehr bestehen. Ein Mann berichetet, dass er nicht weiß, wie lange er es in so einem Lager aushalten kann. Er ist sehr verzweifelt, sein Lebensmut sinkt. Ein Weiterer formuliert es noch deutlicher: „Mit dem Siekhöhe-Camp machen einige bestimmt ein gutes Geschäft, aber für Menschen ist es nicht geeignet. Die Siekhöhe ist für uns wie ein Gefängnis.“

Für Kinder ist die Siekhöhe überhaupt nicht angemessen. Gerade kleinere Kinder und Säuglinge können aufgrund der Licht- und Lärmkulisse ihren Bedarf an Schlaf, der deutlich über dem von Erwachsenen liegt, nicht decken. Auch die schulpflichtigen Grundschulkinder, die morgens sehr früh aufstehen müssen, um rechtzeitig zum Schulbeginn in ihrer Grundschule, beispielweise in Weende zu sein, können nichtausreichend lange schlafen. Zudem ist die konzentrierte Anfertigung der Hausaufgaben bei dem Geräuschpegel nur schwer vorstellbar. Die Unterbringung in einem Gewerbegebiet am äußersten Stadtrand macht eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben nahezu unmöglich. Auch wenn das DRK ernsthaft bemüht ist für abwechselungsreiche Beschäftigungsmöglichkeiten zu sorgen, ersetzt dieses nicht die Partizipation an gemeinsamen Aktivitäten mit der Göttinger Bevölkerung. Der Besuch von Sportvereinen, Gespräche mit Nachbar*innen oder selbst die Teilnahme an Kindergeburtstagen werden erschwert. Kaum soziale Kontakte, Isolation statt Integration, fehlende Privatsphäre, Ungewissheit, Stress und unzumutbare Lebensbedingungen – das ist die Realität der Massenunterkunft in der Siekhöhe. Trotz aller Proteste und Kritik halten Stadt und Betreiber jedoch weiter an der Aussage fest, dass die Siekhöhe als Unterkunft für die ganze Dauer des Asylverfahrens geeignet sei und sich die Menschen dort sehr wohlfühlen. Wie allgemein bekannt, kann sich ein Asylverfahren unter Umständen über Jahre hinziehen.

Wir Göttinger Bürger*innen wollen Geflüchtete, die aus Repression, Krieg, Armut, unsicheren, bedrohlichen und diskriminierenden Lebensverhältnissen geflohen sind und in Europa oft wieder unmenschlich behandelt werden, willkommen heißen, ihnen Respekt entgegenbringen und ein Gefühl der Sicherheit vermitteln. Wir wollen Geflüchtete unter uns in der Mitte der Gesellschaft haben, damit wir uns gegenseitig gut kennen lernen und gemeinsam unser Zusammenleben gestalten können. Dies ist jedoch nur möglich, wenn die Stadt sich bemüht, mit Wohnungsbaugesellschaften, Wohnungseigentümer*innen und engagierten Flüchtlingsinitiativen eine Zusammenarbeit zu entwickeln, welche sich die menschenwürdige Unterbringung und Partizipation von Flüchtlingen am öffentlichen Leben zur Aufgabe macht. Leider ist dies bis jetzt nicht der Fall. Aus unserer Sicht ist die Flüchtlingsunterbringung inzwischen ein reines Geschäft geworden, bei dem einige Unternehmen, private Vermieter und Makler aus der Not der Menschen Profite machen.

Wir fordern in Göttingen bessere Lebens- und Integrationsbedingungen für Geflüchtete! Dafür erachten wir folgendes als unbedingt notwendig: – Schließung der Sammelunterkunft Siekhöhe – Belegung des zahlreichen Leerstands, unter anderem in Grone, durch Geflüchtete und andere Wohnungssuchende – Förderung des sozialen Wohnungsbaus – Einhaltung des üblichen Wohnstandards beim Neubau von Unterkünften – Einsatz der Stadt gegen die mit dem Integrationsgesetz geplante Wohnsitzbindung

Mit freundlichen Grüßen
Bürger*innen & freiwillige Helfer*innen & Aktivist*innen & Organisationen
Göttingen, den 12.09.2016

Ak Asyl Witzenhausen
AK Asyl Göttingen
Antifaschistische Linke Ratsfraktion
Beratungs- und Aktionszentrum Friedland (baz)
DGB Jugend Südniedersachsen-Harz
femko
Flüchtlingsrat Niedersachsen e.V.
Initiative Große Breite
Initiative Willkommen Flüchtlinge am Klausberg (IWF)
Jusos Göttingen
Kreisverband DIE LINKE
Lampedusa Bündnis Göttingen
Medizinische Flüchtlingshilfe Göttingen
Our House – OM 10
Roma Center Göttingen e.V.
Schöner Leben Göttingen
Vernetzungstreffen Voigtschule
Wähler*innengemeinschaft Göttinger Linke
women in exile & friends
Wohnrauminitiative Göttingen
YXK – Verband der Studierenden aus Kurdistan in Göttingen

Unterstützende Einzelpersonen (nach Datum):
Annette Ramaswamy, Mohan Ramaswamy, Joachim Hahn, Björn Hillebrecht, Brigitte Ebert, Patrick Humke, Lydia Hans, Sarah Kuschel, Marina Timofeeva, Ekaterina Ivanova, Olga Ivanova, George Torosyan, Ahmat Abo Uwimer, Gabriela Temphaldova, Prof. Sabine Hess Migrationsforscherin an der Universität Göttingen, Sabrina Freyer, Anna-Maria Kurz, Tobias Schnaubelt, Maria Gaponova, Olga Abramova, Gulnara Alieva, Nezachat Alieva, Arifullah Zachran, Mohammad Sharif, Safi Yousag, Alsadi Yesef, Sobharulla, Taria Ramesi, Quduat Said, Shinwari Abduhlla, Asadullah Ibrahim, Rawai Dajin, Vincent Akkermann, Markus Beyer, Rashelle Bischof, Henry Böttcher, Alexander Rex, Mona Jenke, Romy Rentsch, Yannick Kasten, Vanessa Hillebrecht, Kim-Michelle Genz, Sara Wolf, Henrike Hacher, Malte Steinhaft, Janna Rudi, Carina Reinhardt, Anna Lena Suttrus, Pia Schmidt, Paula Sawatzki, Svenja Knauf, Meike Nimtz, Julia Reese, Arieke Apel, Paul Stelzer, Celina Grumme, Maria Klossok, Milena Sieling, Franziska Friede, Corwin Sandiford, Inga Appel, Patrick Porjak, Max Rath, Nils Schimkomick, Uta Böttcher

Offener Brief an Herrn Oberbürgermeister Köhler
Kopie an : Sozialdezernentin Schlapeit-Beck
DRK Göttingen
Parteifraktionen im Göttinger Stadtrat
Innenministerium Niedersachsen
BAMF
Presse

Am 10.09. bundesweiten Naziaufmarsch in Göttingen angreifen!

Am 10.09. bundesweiten Naziaufmarsch in Göttingen angreifen!

Nunmehr elf Jahre ist es her, dass Nazis sich trauten, durch das bereits damals antifaschistisch geprägte Göttingen zu marschieren. Ein kläglicher Versuch: Die Nazis schafften nur wenige Meter durch die Stadt, bis eine Vielzahl brennender Barrikaden sowie der andauernde Bewurf der NPD-Demo einen antifaschistischen Schlussstrich zogen. Gebeugten Hauptes mussten die Nazis zum Bahnhof zurückkehren und unverrichteter Dinge die Heimreise antreten. Seit diesem „Goldenen Oktober“ 2005 hat die extreme Rechte vernünftigerweise davon abgesehen, in Göttingen Demonstrationen abzuhalten.

Nun aber unternehmen die Neofaschisten der Region einen erneuten Anlauf, sich in Göttingen zu behaupten. Die Erinnerungen an die Schmach von 2005 scheinen verblasst zu sein und in Anbetracht der gesellschaftlichen Polarisierung in Bezug auf Migrant_innen wittern wenige Rechte die Chance, hier irgendetwas gewinnen zu können. Angetrieben von ihrem neuen Anführer Jens Wilke, der unter dem neuartigen Label „Freundeskreis Thüringen / Niedersachsen“ das rechte Elend der Umgebung zusammengeschnürt hat, versuchen die Nazis, in Göttingen Fuß zu fassen. Bei den Kommunalwahlen am 11.09. werden sie versuchen, über die NPD in den Kreistag einzuziehen.

Bislang gehen die zahlreichen Kundgebungen, die der „Freundeskreis“ in den Dörfern der Region, zuletzt aber auch am Göttinger Bahnhof, organisierte, im Gegenprotest unter. Wo immer die längst als Nazis enttarnten „Freunde“ auftauchen, schließen sich Menschen in lokalen Bündnissen zusammen und stärken so einen breiten antifaschistischen Gegenprotest in der Region. Angeheizt von ihrem wahnhaften Anführer verklärt sich der „Freundeskreis“ jedoch jede Niederlage als politischen Erfolg. Angesichts sinkender Teilnehmer_innenzahlen und mangelnder gesellschaftlicher Anschlussfähigkeit allerdings, wird der harte Kern gleichzeitig immer radikaler und risikofreudiger. Eine Entwicklung, die nicht ohne Reaktion blieb: Zunehmend schlossen sich Göttinger Antifaschist_innen zusammen um den Nazis auf verschiedenen Ebenen gemeinsam und entschlossen entgegentreten zu können. Indes verbrannte sich der „Freundeskreis“ auch jenseits von desaströsen Mini-Kundgebungen die Finger: Bei einem ihrer letzten Versuche, unangekündigt Flyer in der Göttinger Innenstadt zu verteilen, machten laut Medienangaben ca. 40 Antifaschist_innen in handfester Art und Weise nachdrücklich deutlich, dass Göttingen auch jenseits von polizeilich abgeschotteten Kundgebungen am Bahnhof eine No-Go-Area für Nazis bleibt. Dass die Stadt nur dank solch entschlossenem antifaschistischen Engagement seit Ende der 90er Jahre ein weitgehend nazifreies Stadtbild aufweist, wurde vom lokalen Tageblatt bis hin zur Göttinger Polizei immer wieder eingeräumt. Nichtsdestotrotz macht sich der Staat in Hinblick auf die zahlreichen direkten Aktionen gegen Nazis der vergangenen Wochen zum Angriff auf linke Strukturen bereit: Seit Monaten ermittelt eine eigens gegründete Sonderkommission erfolglos nach den Urheber_innen zahlreicher abgefackelter Nazi-Karren, antifaschistischer Hausbesucher und von Äxten zertrümmerter Wohnungstüren. Nun erklärte der Göttinger Polizeipräsident Uwe Lührig Göttingen de facto zum Gefahrengebiet und forderte Einheiten des Landesinnenministeriums an, die zusammen mit der lokalen BFE täglich durch die Innenstadt patrouillieren. In einem Gastbeitrag im lokalen Tageblatt meldete sich jüngst sogar der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius zu Wort, um die „die linke Gewalt“ und deren Urheber – „ca. 200 gewaltbereiten Linksextremisten“ – anzugreifen.

Der offensichtlich desaströse Wahlkampf der Nazis läuft derweil weiter: Niederlage für Niederlage verkauft Jens Wilke seiner Anhängerschaft als entschiedenen Sieg. Selbst eine Vielzahl militanter Angriffen sind in seinen Augen Wind in den Segeln der nationalen Sache, da sich so jeder Mensch ein Bild der „linksfaschistischen“ Situation in Göttingen machen könne. Sein von leidenschaftlichen Wahnvorstellungen durchzogener Kopf scheint tatsächlich zu glauben, dass die südniedersächsische Bevölkerung mit jeder kläglichen Kundgebung und jeder erfolgreichen antifaschistischen Intervention noch überzeugter würde von der nationalen Sache, sich bis zur Wahl aber noch nicht traut, dies offen zu äußern.

Die Entschlossenheit seiner verbliebenen Kämpfer, die sich mit großer Leidensfähigkeit im erbitterten Kampf um Deutschland wähnen, ist noch immer nicht abschließend gebrochen. Mit der Unterstützung des NSU-Freundes und bundesweit anerkannten Neonazi-Führers Thorsten Heise soll ein großer Show-Down her – der vorläufige Höhepunkt der südniedersächsischen nationalen Revolte: Am 10.09. wollen die Nazis nach elf Jahren wieder durch Göttingen marschieren. Dass ihnen vor Ort die Basis fehlt, soll eine bundesweite Mobilisierung wettmachen. Nicht nur Heise ist bundesweit gut vernetzt, auch der „Freundeskreises“ pflegt insbesondere mit Neonazis aus Dortmund, Thüringen und dem Harz eine Rege Zusammenarbeit. Tatsächlich ist also mit einer vergleichbar hohen Teilnehmer_innenzahl zu rechnen. Angemeldet ist eine kilometerlange Route durch die ganze Stadt, die unter anderem vor dem autonomen Zentrum JuZI Halt machen soll. Motiviert wie die Lemminge wollen die Nazis das rote Göttingen stürmen. Es ist an uns, dies zu verhindern und ihren Aufmarsch in ein Desaster zu lenken!

Der „Goldene Oktober“ wurde durch bundesweite Solidarität zum Mythos. Es ist wieder so weit: Wir laden euch ein, mit uns zusammen den Naziaufmarsch in Göttingen zu verhindern und den „Freundeskreis“ mit einem Knall zurück in die endgültige Bedeutungslosigkeit zu verdammen! Gemeinsam werden wir am 09.09. mit einer kämpferischen Antifa-Vorabenddemo den Auftakt einleiten für einen neuen Goldenen Herbst, der den Nazis lange im Gedächtnis bleiben wird!

Am 10.09. gilt in Göttingen der antifaschistische Ausnahmezustand – auf allen Ebenen, mit allen Mitteln!

Bündnis Goldener Herbst 2.0

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Zum Administrativen:

*Pennplätze*

Wenn ihr von außerhalb kommt und Schlafplätze benötigt, könnt ihr euch unter folgender Mailadresse melden: pennen.goldenerherbst@riseup.net

Die Schlüssel für die Mails und den Aufruf findet ihr auch unter:
https://linksunten.indymedia.org/de/node/188479

*Mobi-Material*

Wir schicken euch gerne Plakate und Sticker zu um in eurer Stadt für den 10.09. zu mobilisieren. Schickt uns einfach eine Mail und gebt an, wieviel ihr benötigt und wohin wir den Kram schicken sollen an: mobi.goldenerherbst@riseup.net

Gedenken an die Opfer des National­sozialismus

Eine Veranstaltungs­reihe in Göttingen vom 5. November 2015 bis 30. Januar 2016

Der Schwerpunkt der diesjährigen Veranstaltungsreihe ist das Thema Widerstand. Oft beschränkt sich die erinnerungspolitische Debatte dazu auf die Namen Scholl oder Stauffenberg. Ihre Bekanntheit führt allerdings dazu, dass viele andere Widerstandsformen vergessen oder ignoriert werden. Mit der geschichtspolitischen Erinnerungsarbeit wollen wir auf diese vielfältigen und vergessenen Formen des aktiven Widerstands aufmerksam machen. Dazu gehören nicht zuletzt der antifaschistische und jüdische Widerstand, von Gruppen und Einzelnen. Das Gedenken an diesen Widerstand wollen wir in diesem Jahr in den Fokus unserer Bündnisarbeit rücken.

Wir wollen zudem deutlich machen, was nicht vergessen werden darf: gegen den Nationalsozialismus gab es innerhalb der deutschen Bevölkerung kaum Widerstand. Die Prominenz und Bekanntheit der Geschwister Scholl oder Claus Schenk Graf von Stauffenbergs ist vielmehr ein Hinweis auf die Abwesenheit einer breiten und konsequenten Ablehnung des Nationalsozialismus in der deutschen Bevölkerung. Über Widerstand zu reden, heißt von deutscher Täterschaft nicht zu schweigen.

Das Programm findet ihr hier.

VerbindungsstudentInnen keinen Platz geben!

Wir solidarisieren uns mit den Forderungen des offenen Briefes der Fachgruppe Geschlechterforschung Göttingen:

Offener Brief An die Verantwortlichen des Genderlabors, Studierende und Interessierte

Anlass für diesen offenen Brief ist ein Anfang Januar 2016 geplanter Vortrag im Rahmen des Genderlabors.
Das Genderlabor ist eine Veranstaltungsreihe des Göttinger Centrums für Geschlechterforschung (GCG) in Kooperation mit den Graduiertenschulen für Geistes- und Gesellschaftswissenschafte (GSGG und GGG), die dazu dienen soll, Forschungen der Gender Studies in Göttingen sichtbarer zu machen.
Wir wurden von verschiedenen Seiten darauf aufmerksam gemacht, dass einer der Vorträge von einem Mitglied der Göttinger Damenverbindung AV Parnassia gehalten werden soll.

Das kritisieren wir aufs Schärfste!

Die AV Parnassia steht – wie so viele Verbindungen – in einer antisemitischen Tradition: Sie beruft sich auf ihrer Homepage auf die Damenverbindung Elisabeth, die 1915 gegründet wurde. Diese bezog sich unter Anderem positiv auf das Deutsche Kaiserreich mit seinen Antisemitismusbewegungen. Da die Parnassia sich – wie fast alle Verbindungen – mit studentischen Traditionen brüstet, ist diese historische Tatsache nicht auszublenden. Sie arbeitet außerdem mit einer Studentenverbindung zusammen, die sich ausdrücklich nationalistisch präsentiert und die offensichtlich kein Problem damit hat, dass ihre Farben der Flagge des Deutschen Reiches nahe kommen.

Des Weiteren vertritt die AV Parnassia ein konservatives Geschlechterbild. Denn ihre Zusammenarbeit mit einer pflichtschlagenden Herrenverbindung, deren Werte geprägt sind von einer Orientierung an einer soldatischen Männlichkeit, die es unserer Ansicht nach endgültig zu überwinden gilt, sowie die enge Verbundenheit mit einer Damenverbindung, die sich auf heterosexistische Prinzipien beruft, zeugen für uns von einer mangelnden Reflektion von Geschlechtszuschreibungen und sprechen für die Unterstützung von traditionellen Geschlechterrollen. Dies hat mit den Ansprüchen einer Reflektion dieser Normen und Werte im Sinne der Geschlechterforschung nichts mehr gemein.

Wir betrachten die Geschlechterforschung mit all ihren feministischen Kämpfen als ein hochpolitisches Fach, dem das hierarchische, elitenfördernde und (hetero)sexistische Verbindungswesen konträr gegenübersteht. Kaum eine andere wissenschaftliche Disziplin muss so viele politische Kämpfe führen und sich für seine Existenz der Art oft rechtfertigen wie die Geschlechterforschung. Somit liegt der politische Impetus der Disziplin auf der Hand und wird durch anti-feministische Anfeindungen gegenüber Lehrenden und Forschenden und die permanente Infragestellung der Wissenschaftlichkeit der Geschlechterforschung sichtbar. Fraglich ist, ob Menschen aus Zusammenhängen, die wir in keiner Weise als Teil dieser politischen Kämpfe verstehen, im Rahmen dieser politischen Wissenschaftsdisziplin Raum bekommen sollten.

Es geht hierbei nicht um die Kritik an wissenschaftlichen Inhalten oder um die Diffamierung von Einzelpersonen. Vielmehr kritisieren wir im Generellen die Zusammenarbeit mit studentischen Verbindungen und ihren Akteur*innen aufs Schärfste und lehnen diese folglich ausdrücklich ab.

Angebotene Einzelgespräche mit Verbinder*innen lehnen wir ab, da es uns eben um eine generelle Kritik am Verbindungswesen geht, um Strukturen mit regressiven Werten, und die Frage, wer im Kontext feministisch-emanzipativer Forschung Raum bekommen soll; nicht um individuelle Einzelpersonen, die sich für ihren Lebensbund mit einer Verbindung rechtfertigen.

Gespräche mit Delegierten des Göttinger Centrums für Geschlechterforschung (GCG) waren für uns keineswegs zufriedenstellend. Unsere geäußerte Kritik und die Forderung nach einer Auseinandersetzung mit der Problematik führte aus unserer Sicht zu Abwehrreaktionen und unverhältnismäßigen Äußerungen, die vom Vorwurf einer massiven Hexenjagd bis zum Vorwurf fast faschistischen Vorgehens reichten. Die inhaltliche Auseinandersetzung der Verantwortlichen des Genderlabors mit der Thematik empfinden wir als unzureichend. Darüber hinaus wurden die inhaltlichen Kritikpunkte der Fachgruppe hinsichtlich der strukturellen Problematik von Verbindungen offenbar nicht wahrgenommen, weshalb die Gespräche schließlich in solche unsachlichen Unterstellungen mündeten.

Wir fordern hiermit eine öffentliche Stellungnahme des Göttinger Centrums für Geschlechterforschung (GCG), der Graduiertenschule für Geisteswissenschaften Göttingen (GSGG), der Göttinger Graduiertenschule Gesellschaftswissenschaften (GGG), der Universität Göttingen sowie aller verantwortlichen Akteur*innen zur Thematik.

Gezeichnet
Fachgruppe Geschlechterforschung

Wir bitten Euch das Anliegen zu unterstützen und die Informationen weiterzutragen.
Link zum Unterzeichnen: hier

Deutsche Damenverbindungen

Projekt „OM10″: Besetzung als Antwort auf Wohnungsnot


Es ist ein sehr aktuelles Thema für Studierende, Geringverdiener aber insbesondere auch für die Geflüchteten: Wohnungsnot. Obwohl auch in Göttingen seit Jahren viel Leerstand besteht nimmt der Mangel an bezahlbaren Wohnraum zu! Alleine in Grone stehen nach Beobachtung der Piraten derzeit ca. 100 Wohnungen einer in Braunschweig ansässigen Gesellschaft leer, die renoviert und bewohnt werden könnten.1 Heute wurde nun das seit 2009 leerstehende alte DGB-Haus in der Oberen Maschstraße 10 besetzt mit dem Ziel den Raum nutzbar zu machen und zur Verfügung zu stellen u.a. für die Refugees, die zur Zeit in überfüllten Sammellagern unterkommen, in denen eine menschenwürdige Unterbringung kaum zu gewährleisten ist. Das ganze nennt sich Frojekt „OM10″ und fordert:

* Bedingungsloses Nutzungsrecht für das Gebäude in der OM10
* Finanzielle Unterstützung der Instandsetzungsmaßnahmen und Übernahme der Betriebskosten durch Kommune bzw. Eigentümer
* Keine Räumung und keine Kriminalisierung der Aktivist_innen
* Sofortige Nutzbarmachung leerstehenden Wohnraums und Schaffung bezahlbarer menschenwürdiger Wohnungen, die dauerhaft in öffentlichem Besitz bleiben!

Mehr zu den Zielen und Ereignissen des Prjektes „OM10″ findet ihr u.a. auf deren Homepage: omzehn.noblogs.org.

Geht vorbei, unterstützt und solidarisiert euch mit den für Wohnraum Kämpfenden!

  1. http://www.goest.de/ [zurück]