Am 10.09. bundesweiten Naziaufmarsch in Göttingen angreifen!

Am 10.09. bundesweiten Naziaufmarsch in Göttingen angreifen!

Nunmehr elf Jahre ist es her, dass Nazis sich trauten, durch das bereits damals antifaschistisch geprägte Göttingen zu marschieren. Ein kläglicher Versuch: Die Nazis schafften nur wenige Meter durch die Stadt, bis eine Vielzahl brennender Barrikaden sowie der andauernde Bewurf der NPD-Demo einen antifaschistischen Schlussstrich zogen. Gebeugten Hauptes mussten die Nazis zum Bahnhof zurückkehren und unverrichteter Dinge die Heimreise antreten. Seit diesem „Goldenen Oktober“ 2005 hat die extreme Rechte vernünftigerweise davon abgesehen, in Göttingen Demonstrationen abzuhalten.

Nun aber unternehmen die Neofaschisten der Region einen erneuten Anlauf, sich in Göttingen zu behaupten. Die Erinnerungen an die Schmach von 2005 scheinen verblasst zu sein und in Anbetracht der gesellschaftlichen Polarisierung in Bezug auf Migrant_innen wittern wenige Rechte die Chance, hier irgendetwas gewinnen zu können. Angetrieben von ihrem neuen Anführer Jens Wilke, der unter dem neuartigen Label „Freundeskreis Thüringen / Niedersachsen“ das rechte Elend der Umgebung zusammengeschnürt hat, versuchen die Nazis, in Göttingen Fuß zu fassen. Bei den Kommunalwahlen am 11.09. werden sie versuchen, über die NPD in den Kreistag einzuziehen.

Bislang gehen die zahlreichen Kundgebungen, die der „Freundeskreis“ in den Dörfern der Region, zuletzt aber auch am Göttinger Bahnhof, organisierte, im Gegenprotest unter. Wo immer die längst als Nazis enttarnten „Freunde“ auftauchen, schließen sich Menschen in lokalen Bündnissen zusammen und stärken so einen breiten antifaschistischen Gegenprotest in der Region. Angeheizt von ihrem wahnhaften Anführer verklärt sich der „Freundeskreis“ jedoch jede Niederlage als politischen Erfolg. Angesichts sinkender Teilnehmer_innenzahlen und mangelnder gesellschaftlicher Anschlussfähigkeit allerdings, wird der harte Kern gleichzeitig immer radikaler und risikofreudiger. Eine Entwicklung, die nicht ohne Reaktion blieb: Zunehmend schlossen sich Göttinger Antifaschist_innen zusammen um den Nazis auf verschiedenen Ebenen gemeinsam und entschlossen entgegentreten zu können. Indes verbrannte sich der „Freundeskreis“ auch jenseits von desaströsen Mini-Kundgebungen die Finger: Bei einem ihrer letzten Versuche, unangekündigt Flyer in der Göttinger Innenstadt zu verteilen, machten laut Medienangaben ca. 40 Antifaschist_innen in handfester Art und Weise nachdrücklich deutlich, dass Göttingen auch jenseits von polizeilich abgeschotteten Kundgebungen am Bahnhof eine No-Go-Area für Nazis bleibt. Dass die Stadt nur dank solch entschlossenem antifaschistischen Engagement seit Ende der 90er Jahre ein weitgehend nazifreies Stadtbild aufweist, wurde vom lokalen Tageblatt bis hin zur Göttinger Polizei immer wieder eingeräumt. Nichtsdestotrotz macht sich der Staat in Hinblick auf die zahlreichen direkten Aktionen gegen Nazis der vergangenen Wochen zum Angriff auf linke Strukturen bereit: Seit Monaten ermittelt eine eigens gegründete Sonderkommission erfolglos nach den Urheber_innen zahlreicher abgefackelter Nazi-Karren, antifaschistischer Hausbesucher und von Äxten zertrümmerter Wohnungstüren. Nun erklärte der Göttinger Polizeipräsident Uwe Lührig Göttingen de facto zum Gefahrengebiet und forderte Einheiten des Landesinnenministeriums an, die zusammen mit der lokalen BFE täglich durch die Innenstadt patrouillieren. In einem Gastbeitrag im lokalen Tageblatt meldete sich jüngst sogar der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius zu Wort, um die „die linke Gewalt“ und deren Urheber – „ca. 200 gewaltbereiten Linksextremisten“ – anzugreifen.

Der offensichtlich desaströse Wahlkampf der Nazis läuft derweil weiter: Niederlage für Niederlage verkauft Jens Wilke seiner Anhängerschaft als entschiedenen Sieg. Selbst eine Vielzahl militanter Angriffen sind in seinen Augen Wind in den Segeln der nationalen Sache, da sich so jeder Mensch ein Bild der „linksfaschistischen“ Situation in Göttingen machen könne. Sein von leidenschaftlichen Wahnvorstellungen durchzogener Kopf scheint tatsächlich zu glauben, dass die südniedersächsische Bevölkerung mit jeder kläglichen Kundgebung und jeder erfolgreichen antifaschistischen Intervention noch überzeugter würde von der nationalen Sache, sich bis zur Wahl aber noch nicht traut, dies offen zu äußern.

Die Entschlossenheit seiner verbliebenen Kämpfer, die sich mit großer Leidensfähigkeit im erbitterten Kampf um Deutschland wähnen, ist noch immer nicht abschließend gebrochen. Mit der Unterstützung des NSU-Freundes und bundesweit anerkannten Neonazi-Führers Thorsten Heise soll ein großer Show-Down her – der vorläufige Höhepunkt der südniedersächsischen nationalen Revolte: Am 10.09. wollen die Nazis nach elf Jahren wieder durch Göttingen marschieren. Dass ihnen vor Ort die Basis fehlt, soll eine bundesweite Mobilisierung wettmachen. Nicht nur Heise ist bundesweit gut vernetzt, auch der „Freundeskreises“ pflegt insbesondere mit Neonazis aus Dortmund, Thüringen und dem Harz eine Rege Zusammenarbeit. Tatsächlich ist also mit einer vergleichbar hohen Teilnehmer_innenzahl zu rechnen. Angemeldet ist eine kilometerlange Route durch die ganze Stadt, die unter anderem vor dem autonomen Zentrum JuZI Halt machen soll. Motiviert wie die Lemminge wollen die Nazis das rote Göttingen stürmen. Es ist an uns, dies zu verhindern und ihren Aufmarsch in ein Desaster zu lenken!

Der „Goldene Oktober“ wurde durch bundesweite Solidarität zum Mythos. Es ist wieder so weit: Wir laden euch ein, mit uns zusammen den Naziaufmarsch in Göttingen zu verhindern und den „Freundeskreis“ mit einem Knall zurück in die endgültige Bedeutungslosigkeit zu verdammen! Gemeinsam werden wir am 09.09. mit einer kämpferischen Antifa-Vorabenddemo den Auftakt einleiten für einen neuen Goldenen Herbst, der den Nazis lange im Gedächtnis bleiben wird!

Am 10.09. gilt in Göttingen der antifaschistische Ausnahmezustand – auf allen Ebenen, mit allen Mitteln!

Bündnis Goldener Herbst 2.0

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