Auch Nazis sollen sich im Alpenmax wohlfühlen…?!

Das Alpenmax in Göttingen ist bekannt für die rassistische und sexistische Praxis. Nun läd das Alpenmax morgen zur „Böhse Rocknacht“ ein und gleichzeitig Antifaschist_innen, bzw. alle mit politischen Symbolen, wie Anti-Nazi-Symbolen aus. Wird das Göttinger heimelig gemacht für die erwarteten Rechts-SympathisantInnen und FaschistInnen?!

Ein offener Brief von „lieber-nette-nichten-als-boehse-onkelz“:

Am Mittwoch, den 24. Oktober 2012, veranstaltet die Göttinger Discothek „Alpenmax“ eine sogenannte „böhse rocknacht – viva los tioz“. Präsentiert wird diese von dem Radiosender radio21.
Ganz offen wird diese Veranstaltung damit beworben, das es um die Musik von der „ehemaligen“ Rechts-Rockband „Böhse Onkelz“ handelt. So ist auf der facebook Seite der Eintrag folgender Eintrag zu
finden:

/Ma Jo//schrieb an //Böhse Rocknacht – 24.Oktober 2012/

/Sehe ich das richtig das die „böhse rocknacht“ auf „böhse onkelz“ anspielt?? :) /

/Böhse Rocknacht – 24.Oktober 2012 /Das siehst Du richtig/

Das Alpenmax gehört zu der Discotheken-Franchise-Kette Gastronomie & Tanz Eurogast GmbH & Co. KG, zu denen diverse Diskotheken wie FUN, FUNPARK, Lollipop sowie Alpenmax gehören. Neben Göttingen gibt es das Alpenmax auch in anderen Städten wie z.B. in Ansbach, Memmingen, Osnacbrück oder Leipzig.1

*Rassistischen Einlaßkontrollen des Alpenmax in Göttingen…*

Gerade das Alpenmax in Göttingen ist in der Vergangenheit schon häufiger aufgrund seiner rassistischen Einlaßkontrollen von Nicht-Weißen aufgefallen. So berichtete das Göttinger Tageblatt am 23. Juni 2009 unter der Überschrift „Rassismus-Vorwürfe gegen Göttinger Discos“:
„/Immer häufiger komme es vor, dass Ausländern in Diskotheken der Zutritt verwehrt werde. Allein am vergangenen Wochenende seien in sechs Fällen ausländische Studenten abgewiesen worden. Verantwortliche der Discos wiesen die Vorwürfe gestern gegenüber dem Tageblatt zurück./
„/You have to leave. This place is not for black people“ (Du musst gehen. Das ist kein Ort für Schwarze): Mit diesen Worten soll eine Gruppe von fünf ausländischen Studenten am Sonnabend von den Türstehern am Alpenmax abgewiesen worden sein./“

Das Göttinger Stadtinfo (goest) berichtete 2009 dazu:

„/Im Mai kamen Pressemitteilungen z.B. vom Stadtjugendring , dass in einer Diskothek ein dunkelhäutiger Besucher abgewiesen worden sei… In Foren findet man immer wieder Hinweise von DiskobesucherInnen über merkwürdige Türsteherpraktiken: „Uns kam gleich ein Türsteher entgegen, der meinte wir dürfen hier nicht rein. Auf die Anfrage meines Freundes weswegen nicht, Antwortete er nur, er brauche uns keinen Grund zu nennen. Da schlechter gekleideteten Deutschen Einlass gewährt wurde, nehme ich an, dass es nicht an unserer Kleidung lag. Dies war das erste mal, das uns der Einlass in eine Disco verwehrt wurde. Deswegen bitte ich euch, anständige Auländer und Deutsche vermeidet diesen Laden, und erspart euch diese Situation.//“"2

Das Basisdemokratische Bündnis berichtet im Jahr 2005 unter dem Titel „Auslese im Tanzlokal Alpenmax“:
„/Rassismus gibt es nicht nur bei der NPD. Das müssen z.B. Menschen feststellen, deren Aussehen als „nicht deutsch genug“ eingeordnet wird, wenn sie Discos oder bestimmte Kneipen besuchen möchten. In dieser Hinsicht hat sich in Göttingen das Tanzlokal Alpenmax einen besonderen Ruf erworben, wenn es damit auch nicht ganz allein da steht. /

/Schon seit Jahren ist für viele die Party bereits vorbei, bevor sie das Lokal überhaupt betreten haben. Vor einigen Monaten hat es das Alpenmax damit sogar bis auf die Titelseite der Wochenzeitung Blick gebracht: Der Blick (vom 28. Mai 05) berichtete von einem 18-jährigen dunkelhäutigen Abiturienten. Er musste draußen bleiben, während seine weißen MitschülerInnen problemlos von den Türstehern vorbei gelassen wurden. /

/Laut Blick (vom 5. Juni 05) war die Resonanz auf den Artikel enorm: /
/Zahlreiche Anrufe und E-Mails gingen bei der Redaktion ein, die von ähnlichen Vorfällen berichteten. Wie z.B. den eines dunkelhäutigen
Marokkaners, der mit 13 ArbeitskollegInnen die Discothek betreten wollte. Auch er sollte draußen bleiben. Im Februar 2004 blieben dem
Marokkaner zusammen mit Bekannten schon einmal die Türen des Alpenmax verschlossen. Damals hieß die Begründung, sie seien keine Stammgäste. Als sie dies kritisierten, wurde prompt ein Hausverbot ausgesprochen, was nun als Begründung herangezogen wurde, sie diesmal nicht hinein zu lassen./“

Zustimmung bekommt das Alpenmax von Seiten der NPD
„…/Nun müssen sich die Inhaber wie die Türsteher den Vorwurf des Rassismus gefallen lassen. Daß dies absoluter Quatsch ist, weiß jeder,
der einmal im Alpenmax zu Gast war. Denn auch dort ist der berühmtberüchtigte „Quoten-Neger“ und andere Dunkelhäutige anzutreffen.
Allerdings ist die Zahl derer überschaubar, und man hat dort als Deutscher nicht das bedrohliche Gefühl, fremd zu sein…/“

*…und in anderen Städten*

Das Alpenmax in Göttingen ist keine Ausnahme bei rassistischen Einlaßkontrolle der Türsteher. Auch in anderen Alpenmax Diskotheken in anderen Städten gibt es ähnliche Erfahrungen mit der Diskriminierung.
Hier nur ein paar Beispiele von vielen:

*Das Antidiskriminierungsbüro Sachsen (ADB) und das Referat Ausländischer Studierender der Universität Leipzig (RAS) haben 2011 diverse Diskotheken in Leipzig auf rassistische Diskriminierung getestet. In sechs von elf Clubs wurde den „nicht-deutschen“ Testern der Eintritt verweigert, während die mehrheitsdeutschen Vergleichspersonen reingelassen wurden.3

/Ähnlich erging es den Testern auch im „Alpenmax“. Die Testpersonen wurden mit dem Argument abgewiesen, nur Stammgäste hätten Zugang, die Vergleichsgruppe wurde trotz ihres Hinweises, zum ersten Mal ins „Alpenmax“ zu gehen, durchgewunken.“4

*Die Giessener Allgemeine berichtete am 2011 unter dem Titel „Rassismus in Gießen: »Wir stehen heute nicht auf Braun«

„/…Es sind sehr bürgerliche, 18- und 19-jährige junge Leute…Alle fünf sind gut gekleidet, niemand ist betrunken. Vier dürfen rein, einer
nicht. »Wir stehen heute nicht auf Braun«, sagt der Türsteher. Damit ist der Abend gelaufen…Einen Tag später, vor dem Alpenmax im
Schiffenberger Weg. Fast die gleichen Leute, diesmal kommt die Gruppe zu viert. Drei dürfen rein, einer muss seinen Pass vorlegen. Der Türsteher fragt Daten ab, wie ein Herrenmensch. Dass die jungen Männer und Frauen miteinander befreundet sind, reicht ihm nicht. Als ein Mädchen beim zweiten Vornamen ihres Begleiters passen muss, ist das Thema erledigt. »Der bleibt draußen«, entscheidet der Wächter. Er meint den gleichen 19-Jährigen, der schon am Vortrag durch die Gesichtskontrolle gefallen ist…/“

*Verbot politischer Symbole am 24.10.12 im Alpenmax*

Auf der Facebook Seite wird darauf hingewiesen, das Menschen mit politischen Symbolen der Zutritt verwehrt wird. Als Beispiel ist das
Anti-Nazi-Symbol mit einem durchgestrichenen Hakenkreuz abgebildet.

„/Ein ganz wichtiges Thema welches mich seit Anfang der Planung nicht in ruhe lässt, muss ich hier noch mal ansprechen, damit es von vornherein Klarheit gibt.
Die Securitys, das Alpenmax-Team und ich als Veranstalter scheißen auf jedes einzelne Politsymbol. Egal aus welcher Richtung. Tut allen die Spaß haben wollen von vorn herein den Gefallen und kommt gar nicht erst – Ihr fliegt sowieso raus bzw. kommt gar nicht erst rein.
Die Rocknacht ist kein Schauplatz für irgendwelches verqueres Gedankengut, sondern eine Party bei der sich jeder einzelne Gast
wohlfühlen soll, mit netten Menschen und geiler Stimmung. „Euch“ wollen und brauchen wir nicht!/“

Gerade dieses Zeichen symbolisiert die Solidarität mit den Opfern von rassistischer Gewalt von Neonazis sowie den Widerstand dagegen. In den Anfängen der Böhsen Onkelz spielten sie rassistische Lieder und hetzten damit das Publikum sowie ihre Fans gegen Migrant_innen und Andersdenkende auf. Noch heute hören unzählige Neonazis die Platten der Böhsen Onkelz und wohl nicht ohne Grunde haben zahlreiche Rechts-Rock Versände die Böhsen Onkelz im Sortiment.

Warum sollten Menschen nicht offen ihre Ablehnung von Rassist_innen zeigen? Befürchtet der Veranstalter vielleicht das Auftauchen von
Neonazis und sieht daher das Tragen als Provokation?

*Die Band Böhse Onkelz56*

1980 gründeten sich die Band Böhse Onkelz. In ihrer Geschichte spielten sie diverse rassistische sowie nationalsozialismusverherrlichende lieder. Hier nur eine kleine Auswahl:
Im Jahr 1981 wurde das Lied /Türken raus/ veröffentlicht, darin heißt es „Türkenpack, raus aus unserm Land, geht zurück nach Ankara, denn ihr macht mich krank.“ Im selben Jahr erscheint das Lied /SS-Staat/, unter anderem mit der Textzeile „Ach, Du Jude, altes Schwein — Wer soll in der Gaskammer sein?“. 1983 singen die Bösen Onkelz in dem Lied /Deutschland den Deutschen/“[…] gegen euch und eure Kanakenwelt“.
Ebenfalls 1983 geben sie ihr erstes Konzert vor Skinhead-Publikum im /KdF-Bunker/in Berlin, einem alten Fabrikgebäude, das der Band Kraft durch Froide als Proberaum diente.
1984 folgte die Veröffentlichung des Albums /Der nette Mann/ durch das Label Rock-O-Rama7. Auf diesem Album befanden sich auch die Lieder /Stolz/ und /Deutschland/, die den Onkelz einen verstärkten Kultstatus in der Skinhead-Szene einbrachten. Das Album wurde Jahre später wegen Gewaltverherrlichung und Idealisierung des Nationalsozialismus indiziert und beschlagnahmt.
In dem Liedtext „Frankreich ’84″, welches sich auf die Fußball-Europameisterschaft 1984 bezieht, heißt es, „/Ja, wir seh‘n uns in jedem Fall im Sommer ’84 beim Frankreichüberfall“/. Ähnlichkeit zu einem Aufkleber der Hooligan-Szene sind offentsichtlich. Dieser zeigt
ein ausgebombtes Dorf und in deutscher Frakturschrift „Frankreichüberfall – EM ’84″. Dies stellt eine Anspielung auf den Überfall der deutschen Wehrmacht auf Frankreich 1940 dar.
Das Lied /Deutschland/ gibt eindeutig die nationalistische Einstellung der Band wieder. Textzeilen wie „Wir sind stolz darauf, Deutsche zu
sein“, „Schwarz-Rot-Gold, wir steh‘n zu Dir“ und „Deutschland, Deutschland, Vaterland“. Der Politikwissenschaftler Christoph Butterwegge sagte: „/Mit ihrem Lied Deutschland machte die Band die Parole ,Wir sind stolz drauf, Deutsche zu sein‘ zur Hymne der rechtsextremen Skinhead-Szene./“
Andere Autoren stufen den Titel als „extrem nationalistisch“ oder als „moderat deutsch-national“ ein. Bei einem Konzert in Lübeck 1985, bei dem auch Leute anwesend waren, die eindeutig dem rechten Spektrum zuzuordnen waren, änderte der Sänger Kevin Russell die Textzeile „/Schwarz-Rot-Gold, wir stehn zu dir/“ in „/Schwarz-Weiß-Rot wir stehn zu dir/“.
Die Bandhymne /Böhse Onkelz/ die Zeilen „/Wir saufen mit links und herrschen mit der Rechten“/ und „/Heute gehört uns Deutschland und morgen die ganze Welt“./
Vor dem Hintergrund der erstarkenden Neonazi-Szene, beurteilte Mike Hennessey 1992 den Erfolg der Böhsen Onkelz und des Albums /Heilige Lieder/ als „äußerst rassistisch.“ Der Politikwissenschaftler Henning Flad bezeichnete das Album /Der nette Mann/ als „das wahrscheinlich einflussreichste Skinhead-Album der deutschen Rechtsrock-Geschichte“. Von Klaus Farin wurde das Album als das bedeutendste und folgenreichste in der Geschichte der deutschen Skinheadszene bezeichnet.

In der Weigerung ihren Namen zu ändern, einen Beweis, dass die Gruppe versuche, durch die Kontinuität des Namens weiter aus ihrer
Vergangenheit Profit zu schlagen. Marek Lieberberg sagte 1992 in einem Interview dazu: „Nein, das ist ein Markenname, der sich noch immer gut verkauft und vor allen Dingen in der rechten Szene verkauft.“
Auch wenn die Böhsen Onkelz dem Rechts-Rock angeblich abgesagt haben und sich von ihren sogenannten „Jugendsünden“ distanzieren, so bleiben sie doch immer noch Bestandteil einer rechten Musikkultur: „/…Beibehalten haben die „Böhsen Onkelz“ das Image der „Underdogs“, die sich im „Kampf“ gegen „die da oben“, wähnen — und von allen missverstanden werden. Dieses Selbstbild und die frühen Lieder der Band sind Gründe dafür, dass die Musik der „Böhsen Onkelz“ nach wie vor in Teilen der rechtsextremen Szene recht beliebt ist…/“8

Die Böhsen Onkelz scheiterten 2001 mit einer Klage gegen die tageszeitung (taz). Die taz hatte die Gruppe in einem Artikel als „berüchtigte rechtsradikale Band“ bezeichnet. In zweiter Instanz entschied das Landgericht Berlin zu Gunsten der taz mit der Begründung, das es sich um ein „zulässiges Werturteil“ handelt und das durch die Meinungsfreiheit gedeckt ist. Die taz hatte ihren Standpunkt wie folgt begründet: „Die Böhsen Onkelz geben zwar vordergründig vor, mit ihrer rechten Vergangenheit nichts mehr zu tun zu haben, versichern ihren rechtsradikalen Anhängern allerdings bei jeder Gelegenheit augenzwinkernd, dass sie trotz des Drucks der Öffentlichkeit im Kern ungebrochen und ganz die Alten geblieben sind.“

*Keinen Fußbreit dem Rassismus — auch nicht auf Tanzflächen !!!*

Der rassistische Normalzustand in der BRD, die Medien und die Politik haben die Progrome in den 1990er angeheizt — Nazis agierten Hand in Hand mit Bürger_innen oder wurden von ihnen bejubelt. Knapp 20 Jahre nach den Pogromen von Hoyerswerda, Lichtenhagen und Mannheim sowie den tödlichen Brandanschägen von Mölln, Solingen und all die anderen Orte, in denen faschistische und rassistische Gewalt stattfand, herrscht immer noch ein Klima von Rassismus, Antisemitismus, Homophobie und Antiziganismus. Täglich werden Menschen wegen ihrer Hautfarbe und angegriffen. Seit der Widervereinigung wurden mindestens 182 Menschen von Nazis ermordet, unzählige verletzt. Wobei die Bundesregierungen bemüht sind, diese Zahlen herunterzuspielen, denn es kann nicht sein, was nicht sein darf.

Jetzt, da wir Zeug_innen werden in welchem Maße neonazistische Gewalt und Morde wie im Falle des NSU verschwiegen, gefördert, kleingeredet, verdeckt oder geleugnet wird; werden wir nicht akzeptieren, dass reaktionäre „Party-Veranstalter_innen“ungehindert Räume schaffen, in denen Rassismus gehört, verharmlost und praktiziert wird!

*Wir fordern: *

* Eine eindeutige und öffentliche Distanzierung von Alpenmax und Radio21 von der Musik der Böhsen Onkelz !!!

* Den Einlaß von Menschen mit Anti-Nazi-Symbolen !!!

* Eine ernsthafte und transparente Aufklärung von rassistischen Einlaßkontrollen sowie Konsequenzen gegen alle Verantwortlichen !!!

* Ansonsten: die Schließung aller Filialen des Alpenmax, die durch ihre rassistischen Praktiken aufgefallen sind !!!

  1. http://www.discofun.de/#impressum [zurück]
  2. http://www.goest.de/discos.htm [zurück]
  3. http://www.chronikle.org/dossier/rassismus-clubt%C3%BCr [zurück]
  4. http://www.mut-gegen-rechte-gewalt.de/news/reportagen/du-kommst-hier-nicht-rein-2012-02 [zurück]
  5. http://de.wikipedia.org/wiki/Der_nette_Mann [zurück]
  6. http://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%B6hse_Onkelz [zurück]
  7. Der Rechts-Rock Versand Rock-o-rama hat auch andere Bands im Angebot, wie z.B. Endstufe, Kraft durch Froide, OHL, Skrewdriver und Störkraft — alle Bands aus dem rechten Spektrum [zurück]
  8. http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/nazis-im-web-20-warum-finden-nazis-die-“böhsen-onkelz“-gut-7712 [zurück]