Nichts neues in St. Michael

Pressemitteilung Eckiger Tisch

Vor einiger Zeit sind wir schon auf die St. Michaelgemeinde und deren Seelsorger Schneider eingegangen . Eine ausführliche Berichterstattung gibt es auf goest . Leider hat sich, bis auf neuerlichen falschaussagen Schneiders im GT , nicht viel getan. Hier eine PM der Betroffenenorganisation Eckiger Tisch zu den neueren Entwicklungen:

„Mit Interesse haben Mitglieder des „Eckigen Tisch“ (einem Zusammenschluss von Geschädigten an Jesuiten-Einrichtungen) die Vorstellung von Pater Schneider im Pfarrbrief 37/2011 der Citykirche St. Michael sowie die Berichterstattung des Göttinger Tageblatts z.B. vom 08.10. 2011 gelesen. Wir danken Pater Schneider für das Schuldeingeständnis und die zum Ausdruck gebrachte Betroffenheit. Allerdings hätten wir uns gewünscht, dass sich Pater Schneider in den letzten anderthalb Jahren einmal an uns persönlich gewandt oder sogar mit Einzelnen von uns getroffen hätte. Und auch, wenn dieser Eindruck im Pfarrbrief vermittelt wird, ist nichts davon, trotz wiederholter Bitten, erfolgt.
Uns stellt sich das Bild so dar, dass Pater Schneider gegenüber seiner alten Wirkstätte, dem Aloisiuskolleg, und gegenüber seiner neuen, der Pfarrei St. Michael, eine gute Figur machen möchte. Die Auseinandersetzung mit den Betroffenen hingegen hält er für überflüssig. Die einzigen Zuwendungen von Pater Schneider an den „Eckigen Tisch“ sind vereinzelte Anwaltschreiben gewesen, in denen Betroffene mit einem Schadensersatz von 75.000 Euro bedroht werden, falls sie ihn öffentlich der Mitwisserschaft bezichtigen. In diesem Zeitraum lebte der Täter Pater Stüper noch, Strafverfahren wären noch möglich gewesen, die auch Pater Schneider hätten belasten können.
Uns sind keine von Pater Schneider im Pfarrbrief erwähnten „Diskussionsveranstaltungen“ bekannt, in denen er seine Fehler eingeräumt hätte. Auch suggeriert der Satz „Deshalb bitte ich immer wieder alle Betroffenen um Verzeihung“, dass sich Pater Schneider in einem Austausch mit Betroffenen befindet. Die Äußerung „…dass es ein gravierender Fehler von mir war, nicht früher, lauter und rigoroser eingeschritten zu sein“ suggeriert, dass Pater Schneider in irgendeiner Weise eingeschritten ist, was schlichtweg eine Falschaussage darstellt, es sei denn man versteht darunter das Unterfangen, Pater Stüper zu warnen, „nicht so ein Risiko einzugehen“ (O-Ton Schneider am 8.2.2010 bei einem Interview mit dem rbb). Gleichzeitig macht diese Aussage Schneiders deutlich, dass er sehr wohl Kenntnis von Missständen am Aloisiuskolleg hatte, sonst könnte er nicht bedauern, nicht „früher eingeschritten“ zu sein.
Wir möchten Pater Schneider bitten, in Zukunft auf verzerrende Darstellungen und Falschaussagen zu verzichten. Er soll bitte klarstellen, dass er nicht nur „nicht rigoroser“ eingegriffen hat, sondern sich viele Jahre schützend vor den Täter gestellt und aktiv daran
gearbeitet hat, Bedenken von Lehrpersonal, Eltern und Schülern zu zerstreuen. Wir fragen uns sogar, ob das „System Stüper“, ohne Pater Schneider auf diese Weise funktioniert hätte.
Der Untersuchungsbericht von Frau Zinsmeister formuliert noch letztes Jahr den Eindruck: Schneider sei dem Haupttäter der letzten Jahrzehnte und „dessen Pädagogik aufs Engste verbunden“. Uns stellt sich die Frage, wo Pater Schneider heute eine von Frau Zinsmeister als unterentwickelt bezeichnete „kritische Distanz zu seinem Mitbruder“ dokumentiert. Bisher hat es hierzu keinerlei Stellungnahme von Pater Schneiders gegeben.
Während Pater Schneiders Zeit als Internatsleiter ist es, so dokumentiert der Zinsmeister-Bericht, zu mehrfachem sexuellem Missbrauch, mehrfacher schikanöser und ehrverletzende Behandlung, Gesundheitsgefährdung und Freiheitsberaubung und mannigfachen Grenzverletzungen von bzw. gegenüber Kindern gekommen. Wie steht Schneider zu seiner Verantwortung im Amt als Vorgesetzter von Pater Stüper? Und wie kommt Pater Schneider darauf, er sei „entlastet“?
Wir können nicht verstehen, dass weder sein Orden noch Pater Schneider selbst die Konsequenz aus seinem jahrzehntelangen Versagen als Führungskraft zieht. Was in der freien Wirtschaft selbstverständlich wäre, sollte für eine kirchliche Institution erst recht gelten. Alles andere als ein Rücktritt vom Amt des Oberen im Göttingen sowie die Demission als Seelsorger für Priester im Bistum Hildesheim sendet unserer Ansicht nach das falsche Signal in die Öffentlichkeit. Als hätte es keinerlei Folgen, wenn das Herabwürdigen und Quälen und Missbrauchen von Kindern jahrzehntelang von einem Verantwortlichen entweder übersehen oder stillschweigend geduldet wird.
Ein Ordensgemeinschaft, eine Pfarrgemeinde, eine Stadt und eine deutsche Gesellschaft die hierzu schweigen, anstatt klare Konsequenzen und Verantwortlichkeit zu fordern, bereiten in unseren Augen durch Verharmlosen der Vergangenheit und Schweigen in der Gegenwart den Boden für institutionellen Missbrauch in der Zukunft.

Matthias Katsch (Sprecher „Eckiger Tisch“) am 16.11.2011″


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