„I‘m Not A Fuckin‘ Princess!“

In den 1970er-Jahren stand ein Fall von Kindesmissbrauch im Licht der französischen (Kunst-)Öffentlichkeit: die Mutter der heute Mitte 40-jährigen Schauspielerin Eva Ionesco, Irina Ionesco, hatte ihre eigene Tochter seit deren 4. Lebensjahr als ‚Lolita‘ verkleidet, abgelichtet und später auch Aktfotos von ihr als ‚Kunst‘ publiziert.
Irina Ionesco war ein Star der Pariser Kunstszene nach 1968, die sexuelle Trennung zwischen Kindern und Erwachsenen galt wohl immer noch als lustfeindliche Spießermoral. 1976 war Eva das jüngste Nacktmodell des italienischen Playboy.
„Ich habe viel zu spät rebelliert“, sagt Ionesco heute. Prozesse gegen ihre Mutter wurden laut damaligen Vertretern der herrschenden Rechtsgrundlage genau deshalb eingestellt.
In „My Little Princess“ – nur im deutschen Verleih hat der Film einen rotzigeren Titel – thematisiert Eva Ionesco als Regisseurin einen Teil ihrer eigenen Lebensgeschichte, den narzisstischen Missbrauch durch die Mutter, und erobert sich ein Stück Souveränität zurück, wie sie sagt.
Einige Kritiker*innen merken an, dem Film mangele es an deutlich parteilicher Haltung gegen sexualisierte Gewalt und drehe sich mehr um eine abgeflachte ‚konfliktreiche‘ Mutter-Tochter-Beziehung, in der die übersteigerten Ambitionen der Mutter zur Umkehr von Kind- und Erwachsenenrolle führen. Wie dem auch sei: diese Anmerkungen sind leider selten. Eine mangelnde klare Haltung kann man, wenn man mal einige Rezensionen zum Film online durchgeht, eher den vielen Rezensent*innen vorhalten, in deren Texten nicht ein einziges Mal „Missbrauch“ vorkommt! Hier erstmal der Trailer zum Film, der gerade in den deutschen Kinos läuft:


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